4.8.2020

10. Der Astronom (Kapitel IV)

Es geht darum, Erfahrenes nicht zu vergessen. Jede wesentliche Selbsterfahrung kann wieder ins Unbewußte versinken. Wenn man den Zugang zur Ursprünglichkeit seines Selbst verliert, verfällt man der Zahlenbesessenheit der Erwachsenen.

Antoine de Saint-Exupéry: „Die großen Leute haben eine Vorliebe für Zahlen. Wenn ihr ihnen von einem neuen Freund erzählt, befragen sie euch nie über das Wesentliche. Sie fragen euch nie: Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge? Sie fragen euch: Wie alt ist er? Wieviel Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater? Dann erst glauben sie ihn zu kennen.“

Das ganz konkrete Erleben, wie es beim Kind vorhanden und in den Märchen beschrieben ist, verblaßt zur Abstraktion und Manipulierbarkeit der Zahl. Aber mit Zahlen kann man sich nicht wirklich anfreunden. Nur mit Zahlen leben bedeutet, keine Freunde zu haben, einsam und allein zu sein.

Der Astronom registriert alles Verfestigte und Haltbare. Das Vergängliche, wie zum Beispiel eine Rose, interessiert ihn nicht. Er spiegelt die perfekte Form eines idealen Menschen vor. Aber in Wirklichkeit interessiert er sich nicht für die reale Beschaffenheit und die Schönheit seines Planeten, sondern für seine eigenen abstrakten Vorstellungen, die er durch Karten, wissenschaftliche Abhandlungen und vieles mehr dokumentiert.