14.2.2019

12 – XII – Zwölf

Ähnlich wie das Zahlwort Elf leitet sich auch das Zahlwort Zwölf vom Althochdeutschen ab. Dort bedeutet das Wort zwelif „zwei bleibt (übrig)“, also „zwei über zehn“. Es zeigt sich bei der Bildung der Zahlwörter über 10 eine gewisse Vermischung zwischen dem auch Zehnersystem genannten Dezimalsystem der Indogermanen mit einem auch Zwölfersystem genannten zuvor maßgeblichen Duodezimalsystem. Dort müsste die 12 eigentlich „zweizehn“ gesprochen werden.

Das Wort Dutzend für die Zwölfzahl stammt vom Mittelhochdeutschen tozen ab, das seinerseits aus der mittellateinischen Form dozena für das lateinische Zahlwort duodecim (zwölf) entlehnt wurde.

In vielen Kulturen war die Zwölf die Zahl der Vollkommenheit, weil sie die „göttliche Drei“ und die „irdische Vier“ enthält.

Die Zwölf ist eine kosmische Zahl, die sich gut teilen läßt.

Die Beschreibung des Sonnenlaufes im Jahresbogen als Gang durch zwölf Regionen hatte weitreichende Auswirkungen: Das Jahr hatte demnach eine Zwölferteilung. Es gibt somit 12 Tierkreiszeichen und 12 Monate, ein Tag hat 2 x 12 Stunden, eine Stunde 5 x 12 Minuten und eine Minute 5 x 12 Sekunden.

Zwölf Stück sind ein Dutzend, 60 Stück ein Schock und 144 Stück ein Gros.

Es gibt die „zwölf heiligen Nächte" zwischen Weihnachten (25. Dezember) und Dreikönige (6. Januar), die sogenannten Rauhnächte aus den letzten 6 Tagen des alten und den ersten 6 Tagen des neuen Jahres.

Es gab 12 Stämme Israels und Jesus hatte 12 Apostel.

In die 12 Tore des himmlischen Jerusalems treten 12 x 12000 = 144000 Heilige ein.

Werner Bergengruen (1892-1964) erinnert in seinem Gedicht „An die Völker der Erde" an die zwölf Jahre des Dritten Reiches:
Zwölf, du äußerste Zahl und Maß der Vollkommenheiten,
Zahl der Reife, der heilig gesetzten! Vollendung der Zeiten!
Zwölfmal ist das schütternde Eis auf den Strömen geschwommen,
Zwölfmal das Jahr zu des Sommers glühendem Scheitel geklommen,
Zwölfmal kehrten die Schwalben, weißbrüstige Pfeile, nach Norden,
Zwölfmal ist gesät und zwölfmal geerntet worden.
Zwölfmal grünten die Weiden und haben die Bäche beschattet,
Kinder wuchsen heran und Alte wurden bestattet.
Viertausend Tage, viertausend unendliche Nächte,
Stunde für Stunde befragt, ob eine das Zeichen brächte!
Völker, Ihr zählt, was an Frevel in diesem Jahrzwölft geschehen.
Was gelitten wurde, hat keiner von Euch gesehen,
keiner die Taufe, darin wir getauft, die Buße, zu der wir erwählt,
und der Engel allein hat Striemen und Tränen gezählt.
...

Was bedeutet uns die Zwölf?