13. Sonntag im Jahreskreis C – Nachfolge (30.6.2019)

Schriftlesungen:
1. Lesung: 1 Kön 19,16b.19-21
2. Lesung: Gal 5,1.13-18
Evangelium: Lk 9,51-62

Die Klage über mangelnde Berufe bei Priestern und Ordenschristen ist groß. Wenn sich dann jemand meldet, wird er sofort genommen, die Türen stehen offen. Nicht immer ist garantiert, daß die jeweilige Person auch geeignet ist. Und wenn eine Diözese sie ablehnt, gibt es eine andere, die sie annimmt.

Jesus macht es anders. Er zeigt, daß Bedingungen erfüllt werden müssen. So fragt er indirekt: „Kannst Du das auch?“

Im Buddhismus wird ein Bewerber dreimal abgewiesen. Wenn er dann nochmals kommt, wird er zugelassen.

Aber nicht nur für geistliche Berufe gibt es Bedingungen, sondern für das Jüngersein allgemein.

Das heutige Evangelium besteht aus einer Sammlung von Einzelsprüchen, mit denen Jesus die Bedingungen für das christliche Jüngersein beschreibt. Es wäre interessant, sie mit den heutigen Bedingungen zu vergleichen. Es scheint, als sei alles beliebig. Jede Person sucht sich aus, was ihr gefällt. „Patchwork-Religion“ lautet die Bezeichnung für das Ergebnis.

Bedenken wir einmal einige Aussagen aus der Jüngerbelehrung Jesu.

Wer kann leben ohne Ort, wohin er sein Haupt legt? Jesus selbst hatte auf dem Schiff sogar ein Kissen. Benediktiner geloben „stabilitas loci – Ortsgebundenheit“, Franziskaner wandern umher.

Primär ist die Familie für den einzelnen ein Hort der Geborgenheit, wo er Förderung erfährt und seine Anlagen entfalten kann. Manchmal aber, wenn man dem Heranwachsenden zum Beispiel geistige Fesseln anlegt, wird sie auch zum Gefängnis.

Wer aus dem Rahmen der Familientradition auszubrechen wagt, vielleicht beruflich oder weltanschaulich die Erwartungen seiner Familie enttäuscht, erfährt Verachtung oder wird sogar verstoßen.

Der Evangelist denkt hier an eine Jüngergruppe, die man heutzutage mit dem Fachausdruck „urchristliche Wander-Radikale“ bezeichnet. Es sind Jünger, die die Nachfolge Jesu so ernst nehmen, daß sie ihrem Meister zuliebe auf Heimat, Beruf und Familie verzichten und als Wanderprediger durch die Lande ziehen.

Diesen völlig ungesicherten Boten des Evangeliums verheißt Jesus, sie fänden bei ihren seßhaften Brüdern und Schwestern Aufnahme und Anerkennung und man werde es sich in den Gemeinden zur Ehre anrechnen, einem durchziehenden Missionar Gastfreundschaft zu gewähren.

Wie zeigt sich das heute? Ich persönlich bin und war zu keiner Zeit ein „Missionar“. Ich bin da, wenn ich gebraucht werde, und dann erlebe ich, daß ich Menschen helfen darf, Sinn zu sehen und neue Möglichkeiten zu entwickeln.