18.8.2020

18. Der Trinker (Kapitel XII)

Auf dem dritten Planeten macht der Kleine Prinz Bekanntschaft mit einem „Säufer“. Dieser versucht die Scham über seine Trinksucht durch Trinken zu vergessen. Er ist gefangen in dem Teufelskreis „Ich trinke ... , um zu vergessen ... , daß ich mich schäme ... , weil ich saufe“.

Der Kleine Prinz verläßt bestürzt den Planeten und stellt fest: „Die großen Leute sind entschieden sehr, sehr wunderlich.“ Er ist betroffen von dem Verhalten des Säufers, der sich mit seiner in sich zusammengebrochenen Eitelkeit in Selbstmitleid und Wehmut zurückzieht. Der Trunkenbold ist ganz ins Vergessenwollen versunken. Zugleich schämt er sich! Wie ergeht es den Menschen, die sich durch Vergnügungen und Zeitvertreib jeglicher Art stets mehr zu zerstreuen suchen? Sind sie nicht meist vor sich selbst auf der Flucht? Dahinter aber steht die Scham vor ihrem eigentlichen Wesen.

Der Säufer, der Süchtige und Konsumhungrige, der sein Schamgefühl mit demselben Mittel betäubt, mit dem er sein Dasein immer nur schändlicher macht, weiß sich nicht aus seinem Teufelskreis zu befreien. Seine Seelenverfettung läßt ihn sich selbst zum Überdruß werden. Der Selbsthaß des Konsumfanatikers giert unersättlich immer weiter in eine Welt hinein, die man auspreßt bis zum Äußersten. Und sie wird nie geben, was man ihr abverlangt, nämlich einen Funken Glück; denn dieser ruht nicht in den Dingen, sondern in der Schau der Dinge, in ihrem Wesen.

Es gibt eine mit mangelndem Selbstwertgefühl und starken Minderwertigkeitskomplexen verbundene psychische Abhängigkeit von Suchtmitteln. Da hilft keine Logik, sondern nur Verstehen. Es hilft nur eines: heraus aus der lähmenden Passivität, vorwärts in die Aktivität des Bekennens und des Handelns!