18. Sonntag im Jahreskreis C – Vorsorge und Sicherheit (4.8.2019)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Koh 1,2;2,21-23
Zweite Lesung: Kol 3,1-5.9-11
Evangelium: Lk 12,13-21

Es gibt in unserem Leben drei Zeitzonen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dem reichen Mann im Evangelium geht es um die Zukunft. Da sprach Gott zu ihm: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern.“ Und worum geht es uns?

Wir leben im Zeitalter der Versicherungen. Wir können uns gegen fast alles versichern und sind beruhigt, wenn man uns unter anderem sagt: „Die Renten sind sicher!“

Was ist denn wirklich sicher? Der Tod, und der ist sogar todsicher ... Gegen ihn läßt es sich nicht versichern. Wir können aber dafür sorgen, in ihm die Vollendung des Lebens zu finden.

Wir Menschen müssen auf Erden für die Zukunft sorgen, aber da gibt es wie immer ein Zuviel und ein Zuwenig.

„Zu wenig“ habe ich bei der „Gemeinschaft der Seligpreisungen“ in Haus Aspel am Niederrhein erlebt. Dort lebten junge Menschen ohne Krankenversicherung. Wenn sie krank wurden, mußten andere für sie die Arztrechnung bezahlen.

Ich erlebe aber auch sogar bis in die eigene Familie hinein, daß Menschen nicht mit Geld umgehen können. Sie geben aus, was sie haben, auch für nutzlose Dinge, und bedenken nicht, daß das Auto vielleicht einmal eine größere und teuere Reparatur benötigt, oder eine Behandlung ansteht, die die Krankenkasse nicht trägt und vieles mehr. Es gilt also, auch Vorsorge zu treffen für die Zukunft.

Andererseits kann zum Beispiel medizinische Vorsorge auch eine Sorge vorziehen. Auch hier gibt es ein Zuviel und ein Zuwenig; denn es kann sogar eine Krankheit in Gang kommen, die sonst vielleicht ein Leben lang weiter „geschlummert“ hätte, ohne gesundheitliche Probleme hervorzurufen.

Was unternehmen manche Eltern heute alles, nicht nur um ein gesundes Kind zu bekommen, sondern sogar eines nach Wunsch bezüglich zum Beispiel der Augen- oder der Haarfarbe.

Eltern mit einem behinderten Kind werfen manche Menschen sogar vor, nicht genügend Vorsorge getroffen zu haben. Die Medien sind voll von Themen wie Gendiagnostik und Pränataldiagnostik.

„Was sollen wir tun?“, können wir wie der Mann im Evangelium fragen. Alles abgeben wie der heilige Franz von Assisi (1181/1182-1226), das kann ich noch nicht. Ich kann eher wie der heilige Martin von Tours (um 316/317-397) leben, der seinen Mantel teilte. Ich brauche gewisse Dinge und muß manches haben, um meinen Auftrag zu erfüllen, aber auch der Versuchung widerstehen: „Je mehr er hat, je mehr er will ...“

 

Ich brauche eine Altersvorsorge, also muß ich etwas zurücklegen und sparen; denn nur von meiner Rente kann ich keinen Aufenthalt im Altenheim bezahlen.

Mir gefällt die Haltung des heiligen Paulus: Haben als hätte man nicht ... Alles im entscheidenden Moment loslassen können. Im Tod müssen wir es allemal; denn das letzte Hemd hat keine Taschen.

Das Hängen am eigenen Besitz, die Mentalität des „Immer-Mehr-Haben-Wollens“ und die falsche Hoffnung, sich selbst absolute Sicherheit verschaffen zu können, all das führt dazu, daß man sich selbst zum Narren macht, der nicht nur ein Atheist und Egoist ist, sondern noch dazu die Zeit mit falscher Sorge verbringt, statt sein Leben auf die anbrechende Gottesherrschaft mit ihren Grundsätzen auszurichten.

Darüber spricht das Evangelium vom kommenden Sonntag.

Siehe auch Gedanken zu Lesefrüchten (20.5.2019) – Maßhalten.