19.8.2020

19. Der Geschäftsmann (Kapitel XIII)

Den vierten Planeten bewohnt ein betriebsamer Geschäftsmann. Er bildet sich ein, die ganze Sternenwelt zu besitzen, und ist damit beschäftigt, die Sterne zu zählen. Auf die Frage des Kleinen Prinzen, welchen Nutzen ihm seine Arbeit bringe, weiß er keine Antwort.

Er hat keine Zeit, sondern ist trunken von Geld und ertrunken in Zahlen. Er will den Mond und die Sterne verkaufen. Er verkörpert das Bild des wertlosen Besitzes und verwirklicht sich selbst in seinem Zählzwang. Gefühle, Affekte sowie Vitalimpulse von innen und außen blockt er ab. Das gelingt ihm mit seiner rein geistigen Tätigkeit, mit seinen überdimensionalen Zahlen, die keinen Bezug zur Wirklichkeit haben. Nach einem Maikäfer und dem plötzlichen Auftreten rheumatischer Schmerzen ist der Kleine Prinz der dritte Störenfried in dem geschäftigen Leben dieses Menschen. Er beeinflußt die Konzentrationsfähigkeit des ernsthaften, von eiserner Disziplin und höchstem Leistungsdruck geprägten Mannes.

Er zählt die Sterne. Aber was das Wesen eines Sterns ausmacht, ist nie in sein Bewußtsein getreten. Es hätte sein Lebenskonzept aufbrechen können.

Ein zwanghaft veranlagter Mensch erlebt aufgrund einer unbewußten Entwicklungsblockade nicht selten einen starken Effektstau, gewissermaßen einen seelischen Vulkan, der bei der geringsten Gelegenheit ausbrechen und die äußeren Widerstände in Gestalt von ihm entgegenstehenden Meinungen und Menschen sozusagen mit einem Lavastrom von Gefühlswallungen eindecken möchte, um sich seiner inneren Stagnation zu entledigen. Doch er befürchtet, wenn er seinen Impulsen auch nur im geringsten nachgibt, außer Fassung und Kontrolle zu geraten. Es geht ihm nicht nur darum, durch äußeren geschäftlichen Erfolg seinen Besitzstand zu sichern und zu mehren, sondern vor allem darum, sich selbst zu besitzen und diesen Besitz nach allen Seiten zu sichern und alles zu meiden, was ihn stören oder ihm gar gefährlich werden könnte.