20. Sonntag im Jahreskreis C – Feuer auf die Erde werfen! (18.8.2019)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Jer 38,4-6.8-10
Zweite Lesung: Hebr 12,1-4
Evangelium: Lk 12,49-53

Klingt das nicht sehr aggressiv: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen"? Wie der griechische Mythos erzählt, verweigerte der Göttervater Zeus Prometheus’ Schützlingen, den Sterblichen, das Feuer, weil Prometheus, ihn bei einem Tieropfer mit einer List getäuscht hatte. Prometheus raubte daraufhin den Göttern das Feuer und brachte es den Menschen. Zur Strafe verbannte Zeus ihn für lange Zeit auf die Erde, indem er ihn an einen Felsen im Kaukasus schmiedete, wo er unsägliche Qualen erleiden mußte. Täglich kam ein Adler, der an seiner Leber fraß, die sich aber immer wieder erneuerte.

In der Legende vom Rotkehlchen schildert Selma Lagerlöf (1858-1940) in beeindruckender Weise, wie der Vogel an seine rote Kehle kam.

Tatsächlich hat sich das Leben der Menschen durch das Feuer sehr verändert. Feuer lodert aber auch in uns, wenn wir begeistert sind. Schaut man auf die Kirche, so hat man den Eindruck, es befinde sich höchstens noch etwas Glut unter der Asche. Christus will, daß diese Glut entfacht wird.

Wie wir im weiteren Text des Evangeliums hören, hat das Feuer auch etwas mit Läuterung und Reinigung zu tun. Es muß klar werden, wer für und wer gegen den Herrn ist. Zu welcher Gruppe gehören wir?

Dadurch, daß wir uns hier versammeln – wenn auch in geringer Zahl – geben wir bereits Zeugnis für unseren Glauben. Wichtig ist, was davon im Alltag noch spürbar bleibt und wo dort unser Christsein aufleuchtet wie ein Leuchtfeuer für die Menschen, die den Herrn suchen. Auch das ist ein Anliegen Jesu.

Matthias Grünewald (1470-1528), der Maler des Isenheimer Altares, betete:
„Jesus, liebster Herr Jesus! Ich bitt, daß du mich annimmst zum Docht auf der Lampen, zu der du das Öl gibst. Geht mir nicht darum, ob mein Leib verdorrt wie Gras, aber um dein Bild in mir geht es! Zünd dein Licht an und laß mich sein wie ein heilig Feuer am Rande der finsteren Öde, damit die im Dunkeln wissen, wo du zu finden bist. Aus dir kommt, was gut in mir ist, aus mir das Schwache und Geringe. Erbarm dich meiner Herr!“