28. Sonntag im Jahreskreis C – Jesus Christus (13.10.2019)

Schriftstellen:
Erste Lesung: 2 Kön 5,14-17
Zweite Lesung: 2 Tim 2,8-11
Evangelium: Lk 17,11-19

Wenn ich die Heilige Schrift lese, fällt mir auf, daß jeweils die anderen mehr begreifen als diejenigen, die es eigentlich erfassen könnten und müßten.

Im Johannesevangelium heißt es bei der Geburt Jesu: „Und er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ Die fremden Weisen aus dem Morgenland aber erkennen den Gottessohn.

Unter dem Kreuz ist es der römische Hauptmann, der ausruft: „Wahrlich, das ist Gottes Sohn!“

Im Markusevangelium sind es vor allem die von Dämonen Besessenen, die in Jesus Gottes Sohn erkennen. Auch im heutigen Evangelium ist es wieder der andere, der Fremde, der aussätzige Samariter, der begriffen hat, was mit ihm geschehen ist, und Jesus dankbar ist für die Heilung. So werden die Juden immer wieder durch Fremde beschämt.

Aber auch unter den Juden gab es Fremde, Ausgestoßene und Aussätzige. Diese waren verpflichtet, sich den Gesunden nur in einem vorgeschriebenen Abstand zu nähern.

Auch wir zählen uns doch zu den Seinen. Geht es uns ähnlich?

Aussatz gibt es bei uns nur noch in seltenen Fällen, aber Hautkrankheiten nehmen erschreckend zu, vor allem in Form von Allergien.

Auch wir stoßen immer noch aus unserer Gesellschaft aus, sowohl die schwarzen Schafe in der Familie als auch Menschen, deren Verhalten uns befremdet, wie zum Beispiel das Auftreten von Bettlern, Obdachlosen oder ausländischen Mitbürgern. Wie oft sprechen wir diesbezüglich vom „sozialen Brennpunkt“, ohne zu bedenken, daß diejenigen, die am Rande leben, in der Mitte stehen. Wir vergessen leicht, daß wir an den meisten Orten Fremde sind.

Sind wir nicht alle Aussätzige, Fremde, Sünder? Die neun Juden danken Jesus nicht, weil sie als Juden Gottes Geschenke als geschuldet betrachten. Sie bekommen von dem Gesandten Gottes, was ihnen, wie sie meinen, gebührt. Es fehlt ihnen eine Grundhaltung für die Annahme des Heils. Was rettet, ist nicht das Judesein, sondern der Glaube.

Geht es uns anders? Was bilden wir uns darauf ein, Christ zu sein? Was tun wir dafür, Christ sein zu dürfen? Hier wäre unsere Gelegenheit, Danke zu sagen.