30. Sonntag im Jahreskreis B

„Ich möchte wieder sehen können!“ (Mk 10,51)

Schriftstellen:
Erste Lesung: Jer 31,7-9
Zweite Lesung: Hebr 5,1-6
Evangelium: Mk 10,46-52

Eine Volksweisheit lautet: „Sprechenden Leuten ist zu helfen!“ Jesus fragt den blinden Bettler: „Was soll ich Dir tun?“, und erhält die Antwort: „Ich möchte wieder sehen können!“ Jesus erwidert: „Dein Glaube hat dir geholfen“, und der Geheilte folgte ihm auf dem Weg.

Uns ist die Sprache gegeben, und zwar zum Sprechen. „Heimliche Wünsche werden unheimlich selten erfüllt!“ Natürlich ahnte Jesus, daß der Blinde sehen möchte, aber der Bittende muß es auch aussprechen.

Mit „Sehen“ ist hier vermutlich mehr gemeint, als die uns umgebende Wirklichkeit zu erkennen, es trifft eher den Sinn von „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. Die großen Seher der Weltgechichte sind oft blind, haben aber ein inneres Auge.

Das Buch „Das wiedergefundene Licht“ von Jacques Lusseyran behandelt die Lebensgeschichte des Autors, der durch einen Unfall im frühen Kindesalter erblindete und daraufhin eine neue „Welt“ erlebt, nämlich das „wiedergefundene Licht“.

Eine Erfahrung des Autors hat mich sehr beeindruckt: Als Blinder hat er gelernt, besonders auf seine anderen „Sinnesorgane“ zu achten und sich auf sein „Gefühl“, seinen „Instinkt“ zu verlassen. Er findet sich zurecht. Nur wenn er Angst hat, ist er hilflos.

Was sehen meine Augen?

Siehe Predigt vom 28. Oktober 2018.