30. Sonntag im Jahreskreis C – Pharisäer und Zöllner (27.10.2019)

Erste Lesung: Sir 35,15b-17.20-22a
Zweite Lesung: 2 Tim 4,6-8.16-18
Evangelium: Lk 18,9-14

Die Pharisäer der Bibel scheint es heute in den Gottesdiensten nicht mehr zu geben; denn die vorderen Bankreihen sind meistens leer. So ist es auch im Dom und in St. Johann in Billerbeck. Und wie sieht es mit den Hinterbänklern aus? Fühlen diese sich vielleicht als Zöllner?

Der Pharisäer des heutigen Evangeliums entspricht nicht demjenigen, den wir uns heute unter einem Pharisäer vorstellen. Er ist kein Mensch, der nur so tut als ob. Der Pharisäer zur Zeit Jesu erfüllte übergenau die Gebote, deren es bei den Juden sehr viele gab. Sein Fehlverhalten bestand darin, daß er Gott sein Wohlverhalten präsentierte, um belohnt zu werden.

Der Zöllner dagegen hatte nichts anderes vorzuweisen als sein Versagen und seine Schuld, doch er vertraute auf Gottes Barmherzigkeit, und diese wurde ihm gewährt.

Was mag aus ihm geworden sein? Vermutlich kam er im nächsten Jahr wieder in den Tempel und bedurfte erneut der Barmherzigkeit Gottes.

Als Kinder haben wir gesagt: „Es tut mir leid, ich will es nicht mehr wiedertun!“ Aber wer kann das versprechen? Wir sollten uns Mühe geben, den begangenen Fehler nicht zu wiederholen und aus weiteren Fehlern zu lernen.

Was haben wir, unabhängig von dem Platz, den wir in der Kirche einnehmen, von einem Pharisäer und von einem Zöllner in uns?

Wir sprechen so leicht von Heiligen und Sündern. Dabei sind wir jeweils beides. Das ist schwer zu akzeptieren.

Die Psychologen nennen das, was wir nicht an uns sehen wollen, Schatten. Wenn wir am Gottesdienst teilgenommen haben, sollten wir mit dem Vorsatz nach Hause gehen: „Du mußt Dein Leben ändern!“