5.2.2019

5 – V – Fünf

Fünf, hebräisch הא He ה, griechisch Epsilon ε, ist die erste Summe aus einer geraden und einer ungeraden Zahl (2+3=5) und selbst unteilbar. Sie entsteht aus der Verbindung der maskulinen Drei mit der femininen Zwei und ist auch ein Bild für die Ehe.

Nach Pythagoras (um 570-nach 510 v.Chr.G.):
Zwei (Frau) und Drei (Mann) ergeben fünf in der Hochzeit. Bis heute spielen bei Hochzeitsbräuchen ein Strauß von fünf Rosen oder auch fünfblättrige Blüten (Apfel, Quitte) eine Rolle.

Nach den Kirchenvätern:
Fünf kluge Jungfrauen werden zur Hochzeit zugelassen (Mt 25,1-13).

Nach Plato (428-348 v.Chr.G.):
Fünf Freunde des Bräutigams und fünf Freundinnen der Braut müssen zur Hochzeit eingeladen werden.

Die Fünf ist das Zentrum der Vier, sie wird dargestellt als Spitze der Pyramide.
Um aus dem „Gatter“ der Vier herauszukommen, kommt man zur Fünf, zur Quintessenz, zum 5. Element. Dieses ist erfahrbar als Äther, Klang und Geistessenz.
Die Pyramide ist ein Bild für die Quintessenz des Lebens. Ihr quadratischer Grundriß hat vier Ecken, ein Bild für die Schöpfung. Wir sprechen zum Beispiel von vier Himmelsrichtungen. Die Spitze der Pyramide ist die in Richtung Himmel weisende fünfte Ecke. In der Bibel heißt es: „Das Himmelreich ist inwendig in euch.“ (Lk 17,21) Ebenso sprechen die Mystiker.

Im Mittelalter wollte man „den Stein der Weisen“ finden, das „fünfte Element“, die „quinta essentia“. Dabei ging es nicht darum, den vier Elementen Erde, Feuer, Luft und Wasser ein fünftes hinzuzufügen, sondern vielmehr um deren Erhöhung und Vollendung, das heißt um Transzendenz, den Übergang in eine andere Dimension. So heißt es in Werner Bergengruens (1892-1964) Gedicht „ Die vier Elemente“ in den beiden letzten Strophen:
Haben wir dich treulich einbefohlen
in die Hut des vierten Elements,
rauschen Fittiche, dich heimzuholen,
und so gehst du in die Quintessenz.

Also ist die Pilgerschaft gemündet
Und die Bahn im goldnen Ziel verklärt.
In den vieren ist die Welt gegründet
Und vom fünften strahlenhaft genährt.

Die Fünf gilt auch als Symbol für Lebendigkeit. Es kommt zu den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer kein fünftes hinzu, sondern es ist die meist feinstofflich gedachte Einheitssubstanz der vier Elemente. Sie ist die Ordnungszahl der belebten Natur, sie kommt als Ordnungszahl in Kristallen nicht vor. Sie findet sich in den Schwingungen eines Pendels und in einer Seemuschel. Symbolisch ist sie in Anlehnung an die Göttin Ischtar der Venus zugeordnet.

Im goldenen Schnitt tritt die Fünf auf, dementsprechend ist vieles in der Natur gestaltet. Der kleine Teil muß im selben Verhältnis zum großen Teil stehen wie der große zum Ganzen.

Der Mensch hat je 2 x 5 Finger und Zehen. Er hat fünf Sinne. Mit ihrer Hilfe findet er sich in der Welt zurecht. Jemanden, „der nicht mehr alle fünfe [Sinne] beisammen hat“, hält man für verrückt. Wer „Fünfe gerade sein läßt“, gilt zwar als recht großzügig, scheint aber wenig Wert auf Genauigkeit zu legen. Wer nur „das fünfte Rad am Wagen“ ist, gilt als überflüssig und entbehrlich.

Im religiösen Bereich kennen wir:
5 Bücher Mose.
5 Brote, mit denen Jesus 5000 Menschen gespeist hat.
5 Wunden Jesu.
5 Gesätze des Rosenkranzes.
5 Pfeiler des muslimischen Glaubens (Glaubensbekenntnis, Pflichtgebet, Ramadan, Almosengeben, Pilgerfahrt nach Mekka).
5 Gebetszeiten der Muslime.

Die Pythagoreer sahen im Pentagramm, dem fünfzackigen Stern, der sich in einem Zug zeichnen läßt, die kosmische Harmonie. Es besteht aus dem fünfmaligen griechischen Buchstaben (Alpha), die Pythagoreer nannten es Pent-Alpha. Es hat Dämonen abwehrende Kraft und gilt als Schutz gegen unheilbringende Mächte, daher wird es auch Drudenfuß genannt. Wenn eine Spitze nach oben zeigt, symbolisiert es den Menschen. Auf dem Kopf stehend, wirkt es Unheil. Es war das Symbol für Gesundheit und Heil; denn was sich in innerem Gleichgewicht und in Harmonie befindet, ist gefeit gegen vernichtende Kräfte.

 

In der mittelalterlichen Kunst spiegelt sich die „quinta essentia“ im Bild der „Majestas Domini“, des „Pantokrators“, des „Weltenherrschers“ wider. Er thront in der Mitte einer Mandorla, ist an den vier Ecken umgeben von den vier Wesen Mensch (Erde), Löwe (Feuer), Stier (Wasser) und Adler (Luft) und tritt so heraus in die fünfte Dimension, den Inbegriff der vollendeten Schöpfung, die „Quintessenz“.

Was bedeutet uns die Fünf?