20.8.2019

Brot für den Tag 13

Gezählt hat Gott die Tage. Gewogen wurdest du auf der Waage. Geteilt wird dein Reich. (Dan 5,26ff)

Samstag 22.4.1989

Der König Belschazzar sieht eine Schrift und möchte wissen, was sie ihm zu sagen hat. Was Daniel ihm sagen kann, das hat auch allgemeine Bedeutung für uns, das kann auch uns zur Gewissenserforschung dienen.

Gott hat meine Tage gezählt. Aber ich weiß nicht, wieviele es sind. Ich bin geneigt zu meinen, noch mehr Tage zu haben wäre besser als nur noch wenige. Wenn ich sicher wüßte, daß es nur wenige wären, würde ich manches anders machen. Aber warum mache ich das nicht auch bei noch vielen Tagen? Wie schwer ist es zu erkennen, daß nicht die Zahl der Tage entscheidet, sondern was ich damit mache, wie ich sie lebe.

Gewogen werde ich auf der Waage. Es ist eine alte Vorstellung der Menschen, daß im Tode ein Gericht erfolgt. Dabei spielt die Waage eine wichtige Rolle. Im Abendland kennen wir Michael mit der Seelenwaage. Viele Darstellungen zeigen, wie der Teufel die Waage zu seinen Gunsten verändern will. Die Totenwaage gibt es auch schon bei den Ägyptern. Es besteht nur ein feiner Unterschied: Es kommt hier auf das Gleichgewicht an zwischen der Wahrheitsfeder und dem Herzen des Menschen. Geteilt wird mein Besitz. Alles Irdische ist teilbar und damit zerstörbar. Alles wirklich Wichtige ist unteilbar. Es wäre als wichtige Lebensweisheit zu lernen, alles Teilbare auch loslassen zu können; denn es hat keinen ewigen Bestand. Wenn ich meinen Besitz festhalte, bin ich im Tod nicht frei, um mich beschenken zu lassen. Gott will das Unteilbare, das Ewige Leben mit ihm in seiner himmlischen Herrlichkeit, in meine freien Hände legen.

Gebet:
Gott, laß mich erkennen, daß du die Zahl meiner Tage kennst, daß du mich richten wirst in Gerechtigkeit und Liebe und daß ich alles lassen muß, was auf Erden mir zur Verwaltung gegeben ist. Hilf mir, nach dieser Erkenntnis zu leben. Amen.