Advent 2018 – Advent ist die Zeit des wachsenden Lichtes 1

Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da!

Nach dem griechischen Philosophen Heraklit (+ 500 v.Chr.G.) ist Feuer der Ursprung aller Dinge. Es hat vier Kompo­nenten:
1. Licht, das nur im Widerschein sichtbar ist,
2. Wärme, die alles durchdringt,
3. Rauch, der sichtbar ist,
4. Asche, die undurchsichtig ist.

Das Urfeuer ist die Sonne. Ist sie für uns nur ein gewalti­ger Kernreaktor, so wie das Herz für manche Menschen nur eine Pumpe ist? Unsere Vorfahren verehrten die Sonne. In Ägypten schrieb der Pharao Echnaton (+ ca. 1335 v.Chr.G.) einen Hymnus an die Sonne; sie hat alles geschaffen, sie umarmt alles mit ihren liebenden Strahlenhänden. In Ägypten sprach man auch von der geflügelten Sonne und meinte die Sonnenkorona. Darin zeigt sich etwas von ihrem Wesen; es liegt nicht im Kern, sondern an der Peripherie.

Die Griechen verehrten die Morgenröte, die strahlenfing­rige Eos.

„Der Berg Sinai war ganz mit Rauch bedeckt, weil der Herr im Feuer auf ihn herabgekommen war“ (Ex 19,18), und Mose begegnete Jahwe im brennenden Dornbusch (vgl. Ex 3,2ff). Wir bringen die Sonne mit Christus in Zusam­men­hang. Davon zeugen zum Beispiel das Lied „Sonne der Gerechtigkeit“ (GL 481), der Ausspruch des Origenes (184-253) „Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe!“ und der Satz aus dem Lukasevangelium „Feuer auf die Erde zu werfen bin ich gekommen, und wie wünschte ich, daß es schon brenne!“ (Lk 12,49)

Fragt man Kinder: „Wo ist der Mond?“, so zeigen sie mit dem Finger auf ihn; fragt man sie: „Wo ist die Sonne?“, so strecken sie die Arme aus, beschreiben mit beiden Hän­den einen Kreis und rufen: „Da!“ Ähnliches spiegelt sich auch in ihren Zeichnungen wider. Sie malen Sonnen­strahlen durchs ganze Bild.

„Die Sonne scheint nicht nur dort, wo sie ist, sie ist auch dort, wo sie scheint.“ (Friedrich Wilhelm Joseph Schelling 1775-1854) Sie ist allgegenwärtig und umfaßt das gesamte Planetensy­stem. Man kann sie selbst nicht begrei­fen, weil sie selbst alles umgreift. Der Mensch lebt auf der Erde, aber in der Sonne. Ein Sonnentag tut uns gut, und wir suchen den Urlaub in der Sonne. Wir leben und bewegen uns im Inneren des Sonnensternes. Die Sonne selbst weist jeden Versuch, in der Scheibe et­was Wesentli­ches zu sehen, durch ihre augenfeindliche Blendkraft zu­rück.

Prometheussage:
Der Göttervater Zeus verweigerte Prometheus’ Schützlingen, den Sterblichen, das Feuer, weil Prometheus ihn bei einem Tieropfer mit einer List getäuscht hatte. Prometheus raubte daraufhin den Göttern das Feuer und brachte es den Menschen. Zur Strafe verbannte Zeus ihn für lange Zeit auf die Erde, indem er ihn an einen Felsen im Kaukasus schmiedete, wo er unsägliche Qualen erleiden mußte.

Eine Gegenbewegung zum Raub des Feuers ist das Feuer der Liebe im Brand­opfer. Das Opfer­feuer gewann man früher durch ein Brennglas, holte es also vom Himmel. Die Gabe wird durch das Verbren­nen vollkommen gereinigt und dadurch wür­dig für die An­nahme durch Gott. Aus dem Feueropfer entsteht etwas Zeitloses, was sich nicht mehr überwinden läßt. Das scheint heute noch auf im Opferfeuer des Weihrauchs. Das Herz Jesu nennen wir unter anderem „Gottes Opferbrand“. Das Abbrennen von Kerzen während der Eucharistiefeier weist ebenfalls auf den Opfercharakter hin; denn das Kerzenlicht entsteht nur durch das Opfer des Wachses.

„Ja, ich weiß, woher ich stamme,
ungesättigt gleich der Flamme,
glühe und verzehr ich mich.
Licht ist alles, was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse;
Flamme bin ich sicherlich.“ (Friedrich Nietzsche 1844-1900)

Wie die Vestalinnen in der Antike das Feuer der Göttin Vesta hüteten, so muß der Mensch die Flamme des Feuers hüten, damit sie ihm nicht zum Verderben wird. Die drei Männer im Feuerofen verbrennen nicht, weil sie schon durch das Tor des Feuers gegangen sind und geläutert sind wie Asche. Da diese nichts Brennbares mehr ent­hält, hat sie reinigende Kraft.

Die Sonne ist das Urlicht. Licht ist lautlos. Es ist stärker als alles Dun­kel. Alles Lebendige be­darf des Lichtes. Kälte und Dunkel ver­ursachen Angst, Wärme und Licht sind lebensnotwendig. Da im Dunkeln böse Geister lauern, wirkt Licht als Schutz. Manche Menschen zünden bei Gewitter zum Beispiel eine am Fest Mariä Lichtmeß geweihte Opferkerze an.

Licht selbst ist unsichtbar, wir sehen nur das Erleuchtete. Die Strahlen der Sonne lassen die Welt in ihrer Far­bigkeit erscheinen. Ein Prisma macht uns die Farben des Lichtes sichtbar. Der Lichtstrahl spaltet sich auf in das Spek­trum der Farben. Das Licht der Sonne zeigt sich uns im Som­mer in den Farben der Blüten, im Winter zieht es sich zu­rück und ist weißes, reines Licht. „Weiß ist ein großes Schwei­gen, aber voller Möglichkeiten wie das Nichts vor der Geburt.“ (Wassily Kandinsky 1866-1944) Gott, der Unsichtbare, geht in die Brechung wie das Licht; er macht sich klein und so für uns erfahrbar. Unsere Aussagen über ihn sind nur wie ein­zelne Far­ben. „Jede göttliche Eingebung tritt aus Güte in buntgewirktem Licht in der Welt hervor.“ (Dionysius Areopagita, um das 1. Jhr. n.Chr.G.) „Die Farbe ist lebendig und sie allein macht die Dinge lebendig [...] Die Farben sind das sichtbare Fleisch der Ideen und Gottes.“ (Paul Cézanne 1839-1906)

Die Maus Frederick sammelt Farben während die anderen Mäuse Korn sammeln. Als im Winter alle Vorräte aufge­zehrt sind, erzählt Frederick von den Farben und lindert so das Hun­gergefühl.

Die Sonne ist Bild für den Auferstandenen. Er ist das Licht der Welt (vgl. Joh 8,12). Als kleine Sonne begleitet uns das Licht der Kerze bei Grenzüber­gängen:

Die Osterkerze ist die eigentliche Taufkerze, sie brennt oft auch bei der Erstkommunion und bei der Firmung. Eine Kerze brennt ebenfalls beim Beichtgespräch. Weiterhin gibt es die Brautkerze, die Primizkerze und die Sterbekerze. Diese brennt am Sterbebett und am Sarg.

„Ich glaube, daß wir einen Funken jenes ewigen Lichtes in uns tragen, das im Grunde des Seins leuchten muß und welches unsere schwachen Sinne nur von ferne ahnen können. Diesen Funken in uns zur Flamme werden zu la­ssen und das Göttliche in uns zu verwirklichen, ist unsere höchste Pflicht.“ (Johann Wolfgang von Goethe – 1749-1832 – an Johann Peter Eckermann 1792-1854)

Eine Kerze entzünden
Wenn wir in der Kirche vor einem Kreuz, vor einer Marien- oder einer Heiligendarstellung eine Kerze entzünden, dann bringen wir damit zum Ausdruck, daß wir hier beten möchten, aber nicht genügend Zeit haben, lange zu verweilen. Die Kerze soll uns vertreten.