2.10.2020

Alle Wirklichkeit ist ein potentielles Symbol

Der ganze Kosmos ist ein potentielles Symbol. Wie die Symbolgeschichte zeigt, kann alles eine symbolische Deutung annehmen. Alles läßt sich als pures Faktum oder auch als Ge­heimnis be­trachten. „Alles Sichtbare ist ein in einen Geheim­niszustand er­hobenes Un­sicht­bares.“ (Novalis 1772–1802) Der Begriff „Ge­heimnis“ fixiert nicht und definiert auch nicht, sondern bleibt sprach­lich in der Schwebe.

Der deutsche Ausdruck Symbol geht über das lateinische symbolum zurück auf das griechische Wort σύμβολον – sýmbolon mit der Bedeutung Erkennungszeichen, Kennzeichen oder Merkmal. Der Begriff ist abgeleitet von συμβάλλειν – symbállein = zusammenbringen, vergleichen.

Seit ältesten Zeiten spielt der natürliche Stein eine Rolle als Kunstwerk. Die rohen, unbehauenen Steine, welche in primitiven Kulturen als Grabmäler und Wegweiser, als Geisterstätten und Objekte kultischer Verehrung vorkommen, kann man als eine Urform des plastischen Kunstwerks betrachten.

Laut Carl Gustav Jung sind es „erste Versuche, den Stein, das Naturgebilde, aus der ursprünglichen Umgebung herauszulösen und ihm durch Aufrichten oder Placierung an einem besonderen Ort einen Charakter zu verleihen, der mehr ausdrückt als seine ursprüngliche und natürliche Zufallsform“. Ein Beispiel dafür ist der Heelstone in Stonehenge.

Für den primitiven Menschen war das Herauslösen eines beliebigen Steins aus der Natur und dessen Erhöhung vermutlich die Folge oder der Ausdruck religiösen Erlebens. Die Geschichte von Jakobs Traum im Buch Genesis 28 zeigt dies beispielhaft. Jakob schlief auf einem Stein und hatte einen Offenbarungstraum (= Quelle des Fotos). So bekam der Stein Symbolcharakter. Jakob richtete ihn auf, opferte auf ihm und machte ihn zum Heiligtum.

Seit ältesten Zeiten spielt der natürliche Stein eine Rolle als Kunstwerk. Die rohen, unbehauenen Steine, welche in primitiven Kulturen als Grabmäler und Wegweiser, als Geisterstätten und Objekte kultischer Verehrung vorkommen, kann man als eine Urform des plastischen Kunstwerks betrachten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine große Zahl von Steinen oder Felsbrocken wurde nach bestimmten Grundplänen angeordnet wie zum Beispiel in Stonehenge oder in Filitosa auf Korsika.

 

In Japan, vor allem im Buddhismus, gibt es Steingärten. Es heißt, der Mensch müsse den Stein meditieren, bevor er ihn aufrichte oder an seinen Platz bringe.

 

Gerade gestorben

Wenn der Mensch vor einem Leichnam steht, begegnet er einer unbewegten Starrheit. Was ist die Wirklichkeit des Menschen? Dieses Gefühl dem Leichnam gegenüber erfahren wir im Reich der Steine und der Berge. Der lebendige Mensch spricht, der Stein schweigt. Der schweigende Stein hütet ein tiefes Geheimnis; Berge ver-bergen. „Sesam, öffne dich!“

Novalis dringt tief in das Geheimnis des Berges ein. Im „Heinrich von Ofterdingen“ macht er eine Reise in ein Bergstollensystem. Dort betrachtet er das Geheimnis aller Materie am ausdrücklichsten im Stein.

 

In der Gesteinswelt mit ihrem ewigen Schweigen schauen wir den Tod; die aus dem stummen Felsen sprudelnde Quelle erzählt uns vom Leben.