12.4.2020

Auferstehung oder Nichts?

Mit der Frage, was nach dem Tod kommt, haben sich die Menschen schon immer beschäftigt. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Es kommt nichts mehr, es ist alles aus, oder es kommt noch das, was zum Beispiel die Christen Auferstehung nennen.

Betrachtet man die Geschichte der Menschheit, scheint den Menschen der Glaube, daß das Leben mit dem Tod nicht endet, bereits in die Wiege gelegt zu sein. Schon in jahrtausendealten Gräbern finden sich Beigaben für den Gebrauch der Verstorbenen im Jenseits. Gräbergestaltungen verschiedenster Art sollten den Verstorbenen Heimat für die Ewigkeit bieten.

Nach dem Tod Jesu lebten seine Anhänger von der Erfahrung seiner Auferstehung. Das Leben hat im Sterben kein Ende, sondern die Schleier fallen, und wir erfahren das, was wir Himmel nennen.

Der Tod ist also nicht zu fürchten, sondern ein ewiger, friedlicher Schlaf, beziehungsweise der Übergang in eine lichtere Welt der Erkenntnis. Die Menschheit hat ihr Wissen über das materiell Faßbare im Kosmos in ein Unermeßliches erweitert.

Montagsgespräch vom 9. Januar 1989

Montagsgespräch

 

Taufe als Sterben und Auferstehen in Christus

Im Dom zu Münster steht heute in der südlichen Turmkapelle ein Bronzetaufbecken aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Es hat nicht immer dort gestanden. Der ursprüngliche Platz war vermutlich hinter dem Altar des alten Chores, bevor es 1871 in die nördliche Turmkapelle gestellt wurde.

Die Turmkapellen sind die am tiefsten gelegenen Stellen des für die Besucher zugänglichen Domes. In der südlichen Turmkapelle wird in der Weihnachtszeit neben dem Taufbecken die Krippe aufgestellt. Weihnachtsgeschehen und Taufe an der tiefsten Stelle des Domes, das ist nicht ohne symbolische Bedeutung.

Weihnachten feiern wir das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Gott wird das, was er geschaffen hat: Er wird Mensch. Die Ostkirche kennt keinen Stall für das Geschehen der Weihnacht, sondern läßt Jesus in einer Höhle, also in der Tiefe der Erde zur Welt kommen.

Das Fest der Taufe des Herrn vertieft diese Wahrheit noch dadurch, daß Jesus ganz eintaucht in die irdische Wirklichkeit, indem er sich von Johannes taufen läßt. Dies geschieht an der tiefsten Stelle der Erde. Die Jordansenke liegt circa 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Auf den Ikonen der Ostkirche sind um das Taufgeschehen hohe Felswände zu sehen. Das Eintauchen in die irdische Wirklichkeit ist der äußerste Gegensatz zur lichtvollen Herrlichkeit Gottes im Himmel. Alle Evangelien berichten davon, daß sich im Augenblick der Taufe der Himmel öffnet und Gott sich zu seinem Sohn bekennt.

Nachdem Jesus am Kreuz sein Werk der Erlösung vollbracht hat, öffnen sich die Gräber und Tote stehen auf (vgl. Mt 27,52).

Die Verbindung zwischen Himmel und Erde war durch die Sünde der Menschen gestört. Jesus reißt die trennende Wand nieder (vgl. Eph 2,14). Der Himmel begegnet der Erde, die Erde öffnet sich dem Himmel. Wir bekennen diese Wahrheit im Glaubensbekenntnis mit dem Satz: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel.“