Aus Heldengedenktag wird wieder Volkstrauertag

Ursprünglich ging es um die Soldaten des Ersten Weltkrieges. Die Idee eines gemeinsamen Trauertages oder eines stillen Tages zum Gedenken der Kriegsopfer entstand 1919 vom Volksbund Deutscher Kriegsgräbervorsorge zum Gedenken der gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges. 1934 wurde der Volkstrauertag im Zuge der nationalsozialistischen Diktatur in den Heldengedenktag umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Tradition des Volkstrauertags in den westlichen Besatzungszonen ihre ursprüngliche Form zurück.

Karl Kersten, der Vater meiner Mutter, ist gleich am Anfang des Ersten Weltkrieges gefallen. In der handschriftlichen Todesanzeige und im gedruckten Totenzettel wird er als Held geehrt.

Schon in seiner Jugendzeit, vor allem aber während des Zweiten Weltkrieges, hatte auch Karl Leisner zunächst das Bild von „Helden“ für die im Krieg für Volk und Vaterland gefallenen Soldaten vor Augen. Gestärkt wurde dieses noch durch die Formulierungen in Todesanzeigen und auf Totenbildchen.

KZ-Priester Hermann Scheipers aus Ochtrup am 29.12.2006 an Hans-Karl Seeger:
Ich kann mich erinnern, daß wir damals [1943 im KZ Dachau] an den Todesanzeigen den schwin­denden Glauben an den „Endsieg“ auch in Parteikreisen registriert haben. Denn statt des üblichen „In stolzer Trauer“ lautete die Unterschrift in den letzten Monaten vor Kriegsende mehr und mehr „In namenlosem Schmerz“.

Vorher betonte man zu viel das Heldentum und zu wenig das Leid.

Siehe Aktuelles vom 7. Oktober 2016 – Wollte Karl Leisner ein Held werden?
und
Aktuelles vom 24. August 2018 – Wer war in der NS-Zeit ein Held?