Bei sich zu Hause sein

„Heute besuche ich mich, hoffentlich bin ich zu Hause“, formulierte der Komiker Karl Valentin. Auf dem Cover von Hans-Curt Flemmings Buch „ein zettel an meiner tür“ lautet der Text auf dem Zettel „ICH BIN – Auf DER SUCHE – NACH MIR – DAHER BIN ICH – VORÜBERGEHEND – NICHT ANZUTREFFEN – BIS DAHIN IST – WAS AUSSIEHT – WIE ICH – NUR DIE VERPACKUNG“.

Bin ich bei mir zu Hause oder bin ich „außer mir“ oder gar „aus der Haut gefahren“? Wie finde ich dann zurück?

Ein Kind stand einmal nach einer Entspannungsübung auf und umarmte sich selbst mit dem Ruf: „Wie froh bin ich, daß ich mich habe!“ So etwas geht nicht ohne Selbstliebe.

Unter jungen Menschen hört man schon einmal die Aussage: „Ich bin von meinen Eltern einfach in die Welt gesetzt und gar nicht nach meinem Wunsch gefragt worden; vielleicht bin ich nur das Produkt eines lustvollen Augenblicks.“ Es ist nicht nur wünschenswert, daß Eltern ihr Kind mit voller Zustimmung zeugen, auch das Kind sollte als nachträgliche Zustimmung zur eigenen Geburt und als rückwirkende Vollmacht für die Eltern zum Zeugungsakt sagen können: „Ja, ich bin da, und dafür bin ich dankbar!“ Es geht darum, daß der Mensch Verantwortung für sein Leben übernimmt, daß er sein Leben, das ihm geschenkt wurde, bejaht. Es geht um die Annahme des eigenen Lebens aus der Hand Gottes und aus der Hand der Eltern. Geschieht dies nicht, dann muß der Mensch es häufig ein Leben lang kompensieren, zum Beispiel durch Leistung als Daseinsberechtigung.

In einem solchen Fall kann der Glaube, sich von Gott angenommen zu wissen und in seiner Liebe leben zu dürfen, hilfreich sein.

Allen, die auf der Suche nach sich selbst sind, wünsche ich viel Finderglück!