17.7.2021

Blätter des Baumes

Bäume sind durch ihr Blattgrün die Lungen der Erde. Was wir von uns geben, nehmen sie auf, was sie von sich geben, nehmen wir auf. Sie dienen als Filter und verbessern unsere Atemluft.

Wir Menschen leben vom Sauerstoff, den die Bäume abgeben, die Bäume vom Kohlendioxid, das infolge unserer Lebensweise als Abfallprodukt entsteht. Es ist der große Kreislauf des Lebens auf dieser Erde: Die Bäume führen den aufwärts gerichteten Strom des Kreislaufes weiter und wir sowie all die anderen atmenden Geschöpfe den abwärts gerichteten.

Wir tendieren dazu, uns alles unabhängig vom Leben ringsum, als bereits vorhanden, bevor das Leben begann, vorzustellen. Einige der wichtigsten Elemente unserer physikalischen Umwelt jedoch entfalten sich erst durch das Werk lebender Organismen. So entsteht Sauerstoff durch Bäume und Pflanzen. Die gesamte Welt ist als Einheit ein lebender Organismus, der durch das Sonnenlicht lebensfähig ist, und die Bäume spielen mit den anderen Pflanzen die zentrale Rolle in diesem Stoffwechsel des Gebens und Nehmens.

In Mythen und Märchen tritt der Baum oft als Helfer und Glücksspender auf. Bäume können Liebesglück vermitteln. Der Baum ist Treffpunkt und Zufluchtsort für Liebende. Unter seinen Ästen schwören sie einander Treue und geben sich das Eheversprechen, in seine Rinde schnitzen sie Herzen. Der angenehm süße Blütenduft und die herzförmigen Blätter ließen vor allem die Linde zum Baum der Liebenden werden.

Im Laufe eines Jahres macht der Baum eine Wandlung durch: Kahl im Winter überzieht er sich im Frühling mit zartem Grün und bunten Blüten. Im Sommer ist er satt und bunt von Früchten und im Herbst präsentieren sich die Blätter in herrlichsten Farbkompositionen, bevor sie fallen und weißer Reif und Schnee den Winter anzeigen.

Bäume können uns Menschen Botschaft bedeuten, Anspruch und Trost, ja ein Leben lang Freund sein. Wie die Grünkraft (Hildegard von Bingen 1098-1179) der Bäume und das Licht, welches diese hervorbringt, Geist und Seele beeinflussen, so ist auch der menschliche Leib nicht unabhängig von ihrer Existenz. Dennoch ist Baumverehrung in unserer Zeit so gut wie verstummt. Der Mensch, selbst wurzellos geworden, hat das Gespräch mit seinem Bruder Baum verlernt.