Blau

Wer von uns würde Gott blau malen? Dieser Gedanke ist gar nicht abwegig; denn seit Menschengedenken ist der Mensch vom Blau des Himmels und vom Blau des Meeres umgeben.

Tragen viel­leicht deshalb Marineoffiziere und Luftfahrt­bedienstete häufig blaue Kleidung? Mit Blau verbindet der Mensch die Weite des Hori­zontes und der Transzendenz, des Unendlichen und des Immateriellen. In der christlichen Symbolik ist Blau die himmlische Farbe. Als Farbe des Göttlichen ist es die Farbe der Ewigkeit. Die „Blaue Blume“ liegt immer in der Sehnsucht und in der Ferne. Blaue Blumen sind selten, aber dennoch kommen sie weniger in Gewächshäusern gezüchtet vor als in der Natur. Dort wachsen sie meist an unwegsamen Stellen. Blau hat Beziehung zum Eros und zur Treue, eine Vorstellung, die wir vor allem mit dem Vergißmeinnicht verbinden. Nicht in der Nähe des geliebten Menschen, sondern in der Ferne muß sich die Treue bewähren. Ein Mensch, der blauäugig durchs Leben geht, hat nicht unbedingt blaue Augen, sondern ein treu­herziges Gemüt. Blaue Blumen sind Maria, der Himmelskönigin im blauen Mantel, zugeord­net. Blau versinnbildlicht den Mittler zwischen Himmlischem und Irdischem. Es stellt den Übergang dar von der endlichen Welt der Erde in die himmlische Welt der Auferstehung.

Blau und Rot sind Gegensätze, wie sie im Hinweis auf kalt und warm zum Ausdruck kommen. Andererseits bilden Blau und Rot im Violett eine Einheit. Ein Drittel aller Erwachse­nen hat Blau als Lieblingsfarbe. Blau erscheint zu unterst auf der Farbskala, es ist eine dunkle Farbe, entsprechend „blaut“ alle Dunkelheit, weil sie sich dem Lichte nicht verschließt, zu allererst auf. „Es blaut die Nacht, die heiße Nacht Ägyptens“, singt Kleo­patra in „Julius Cäsar“ von Georg Friedrich Händel (1685-1759). Das Scheiden des dunklen Winters ist in Eduard Mörikes (1804-1875) Gedicht „Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte; süße wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land“ bereits verklungen.

Blau als die dunkelste Farbe beruhigt, kühlt und erfrischt. „Blauzimmer“ werden für Tobsüchtige verwendet. Dunkelblau vermittelt innere Ruhe und Entspannung sowie das Gefühl von Zufriedenheit und Geborgen­heit. Blau setzt die Schmerzbereitschaft herab, verlangsamt die Pulsfrequenz und senkt den Blutdruck. In biorhythmischer Hinsicht ist Blau die Farbe der Regenerationsphase. Es gilt auch als Farbe der Introversion. Blau ab­lehnen bedeutet, vor entspannender Ruhe fliehen, weil man meint, sie sich nicht gönnen zu dürfen, zum Beispiel aus Angst vor Erschlaffung, Depression oder der Unerfüllbarkeit dessen, wonach man sich sehnt.

Blau ist nie eine offizielle Farbe der Liturgie geworden. Als Papst Pius V. (1504-1572) 1570 die liturgischen Farben festlegte, hat er Blau ausdrücklich verboten. Heute hingegen ist es an Marienfesten und vor allem an Marienwallfahrtsorten durchaus Brauch, bei der Liturgie blaue Gewänder zu tragen.

Indigoblau zum Färben von Kleidung wurde in Deutschland vor allem aus Färberwaid, auch Pastel oder Deutsche Indigo genannt, gewonnen. Karl der Große befahl den Anbau dieser Pflanze an allen Gutshöfen. Um den Farbstoff zu gewinnen, mußte man die Blätter in frischen menschlichen Urin le­gen. Beim Gärvorgang entsteht Alkohol. Je mehr Alkohol, desto besser der Farbstoff. In alten Rezepten ist vermerkt, die Farbe werde besonders gut mit dem Urin von Män­nern, die viel Alkohol getrunken hätten. Demnach hatte derjenige, der „Blau gemacht“ hatte, zuviel Alkohol getrunken, war also blau.

Was bedeutet für mich die Farbe Blau?