15.8.2019

Brot für den Tag 11

Sobald ihr den Klang aller Instrumente hört, sollt ihr niederfallen und das goldene Standbild anbeten, das König Nebukadnezzar errichtet hat (Dan 3,5)

Donnerstag 20.4.1989

Im Gedenken an die Blutzeugen unserer Zeit Edith Stein, Alfred Delp und Dietrich Bonhoeffer erschien 1986 ein Buch mit dem Titel „Glaube als Widerstandskraft“. Zu allen Zeiten durfte der Mensch erfahren, daß Glaube nicht nur Berge versetzen kann, sondern auch die Kraft verleiht, eher den Tod auf sich zu nehmen, als eben diesen Glauben zu verraten. Daniels drei Freunde Hananja, Mischael und Asarja weigern sich, das goldene Standbild des Königs anzubeten. Sie sollen im Feuerofen getötet werden. Aber das Feuer kann ihnen nichts anhaben. Der Engel des Herrn sorgt dafür (vgl. Dan 3,49f).

Wie ist es um die Widerstandskraft unseres Glaubens bestellt? Vielfach geht es nicht einmal darum, unter Todesandrohung ein Standbild anzubeten. In unserem Egoismus machen wir selbst in unserem Leben alles mögliche zu einem Gott, den wir verehren und anbeten. Zu wie vielen Personen und Dingen sagen wir, was Verliebten nachgesehen wird: „Du bist mein ein und mein alles!“ „Ohne dich kann ich nicht leben!“ Hat unser Glaube die Kraft, Widerstand zu leisten und immer wieder zu sagen: „Du bist nicht mein Gott!“ Wir müßten das Vertrauen haben, daß Gott allein genügt; daß wir alles dazugegeben bekommen, wenn wir vor allem das Reich Gottes suchen (vgl. Mt 6,33). – Durchschauen wir wohl genügend, daß auch uns heute noch beim Klang einschmeichelnder Musik in der Werbung klar gemacht wird, daß wir ohne dieses oder jenes im Leben nicht zurechtkommen können, daß wir vieles unbedingt brauchen, um glücklich zu werden, daß manches nahezu ewiges Leben schenkt? Haben wir die Kraft zum Widerstand?

Gebet:
Heiliger und unendlicher Gott, du Gott meines Lebens. Ich gerate leicht in Versuchung, Dinge dieser Welt für Gott zu halten, ohne die ich nicht leben kann. Laß mich nicht vergessen, daß ich allein von dir das Leben habe und daß allein du es mir immer wieder neu schenken willst. Amen.