22.8.2019

Brot für den Tag 15

Was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefaßt haben, das verkünden ihn wir: das Wort des Lebens. (1 Joh 1,1)

Montag 23.4.1990

Manchmal habe ich den Eindruck, von dem Zitat aus dem Jo­hannesbrief gilt nur der allererste Teil; denn der Glaube kommt ja vom Hören (vgl. Röm 10,17f). Wichtig ist sicherlich, daß gepredigt und der Glaube verkündet wird. Aber sollten nicht auch die anderen Sinne beteiligt werden? Offensichtlich haben die Jünger mehr erfahren, als nur das Wort Jesu zu hören.

Was gibt es in unserer Liturgie zu schauen? Die Ostkirche verkündet mehr durch ihre Ikonen als durch ihre Predigt.

Was gibt es in unserer Liturgie zu berühren? Ein Fest will be­gangen werden und heilige Gegenstände wollen berührt werden.

Was gibt es in unserer Liturgie zu riechen? Was wäre es, wenn neben dem Weihrauch auch der Duft eines frisch gebackenen Brotes den Kommunizierenden in die Nase käme?

Das Wort ist ein Wort des Lebens. Das Leben aber will mit allen Sinnen erfahren werden. Das Leben ist sinnvoll, wenn alle Sinne voll sind. Selbst behinderte Menschen haben einen Ersatz für einen ausgefallenen Sinn, indem andere Sinne intensiver die Wirklichkeit erspüren. Ein blinder Mensch hört dafür feiner.

Jesus heilt vor allem die Sinne der Menschen. Für mich wird die Schau Gottes in der Ewigkeit ein Wahrnehmen mit allen Sinnen des verklärten Leibes sein.

Gebet:
Gott, du Schöpfer des Lebens, du hast uns Sinne gegeben, mit denen wir die Wirklichkeit erfassen. In deinem Sohn bist du uns sinnenfällig nahe gekommen. Hilf auch uns wie den Jüngern, dich nicht nur zu hören, sondern auch mit unseren Augen zu schauen und mit unseren Händen zu greifen, damit wir dich begreifen in der Wirklichkeit unseres Lebens.