27.8.2019

Brot für den Tag 17

Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre (1 Joh 1,8)

Mittwoch 25.4.1990

Das genau ist heute unsere Gefahr: unser Unschuldswahn. „Was tue ich denn schon?“, fragt der eine und denkt bei Sünde nur an Mord und Verbrechen. „Wir sind alles kleine Sünderlein!“, sagt der andere und verharmlost seine Vergehen. In beiden Fällen nimmt der Mensch seine Unheilssituation nicht ernst und geht in die Irre.

Wir sollten erkennen, daß kein Mensch ohne besondere Gnade, wie sie der Gottesmutter Maria zuteil wurde, sündenfrei leben kann. Immerzu bedürfen wir des Erbarmens Gottes.

Wenn wir unsere Sünden ehrlich bekennen, dann vergibt Gott sie uns (vergl. Vers 9). Aber zunächst muß ich mich selbst richtig erkennen. Ich muß mir vor mir selbst meine Sünde bekennen. Dann kann ich sie vor Gott und vor dem Nächsten bekennen.

Wie befreiend ist dann, wenn Gott mir verzeiht und wenn der Nächste mir verzeiht. Das aber ist alles nicht erfüllend, wenn ich mir nicht selber verzeihe. Es gehört mit zum Schwersten im Leben des Menschen, sich selbst verzeihen zu können, dieses oder jenes getan beziehungsweise unterlassen zu haben.

Wohlgemerkt: Es geht um Verzeihen, nicht nur um Entschuldi­gen. Wenn ich mich entschuldige, dann führe ich mein Verhalten auf die Umstände zurück und bitte um Verständnis, daß ich so und nicht anders gehandelt habe. Um verzeihen zu können, muß ich mich als schuldig betrachten. Das ist nicht leicht.

Nach der Verzeihung durch Gott, durch den Nächsten und durch mich selbst zieht die Wahrheit in uns ein und unser Weg ver­läuft recht (vgl. Vers 8).

Gebet:
Gott des Erbarmens, hilf mir, meine Schuld zu erkennen und mich zu ihr zu bekennen, damit du mich durch deine Güte be­freien kannst von aller Schuld. Laß mich gehen den Weg der Wahrheit und der Gerechtigkeit.