2.7.2019

Brot für den Tag 2

Hört auf meine Stimme, dann will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein (Jer 7,23)

Montag 12.9.1988

Wenn wir beten, dann wünschen wir, daß Gott uns hört. Oft erschöpft sich unser Beten in Bittgebeten. Uns beherrscht die Vorstellung, wir müßten Gott für uns interessieren, ihn auf uns aufmerksam machen. Das ist menschlich verständlich, und viele Religionen haben ihr Verhältnis zu den Göttern so gesehen. Die jüdisch-christliche Vorstellung ist anders: Gott ist den Menschen nahe (vgl. Ex 3,14), und zunächst sollte der Mensch Hörender sein und horchen, was Gott ihm zu sagen hat. Ein wichtiges Gebet der Juden beginnt mit „Höre, lsrael!“ (Dtn 6,4) Ein Beter, der die Pax-Christi-Kirche in Essen betritt, wird durch ein großes Bildwerk, „Der Hörende“ von Toni Zens, an diese Wahrheit erinnert; der Hörende hat seine Ohren noch vergrößert durch seine Hände, die er zu großen Trichtern formt. In der deutschen Sprache wird deutlich, welche Auswirkungen das Hören auf unser Leben hat. Auf den ich höre, dem gehöre ich und gehorche ihm. Das ist schwer zu vollziehen. Wir wollen uns selbst gehören und unser eigener Herr sein, ja wir wollen wie Gott sein. Wir haben Angst, hörig zu werden. Aber so ist Gott nicht, er bringt nicht in Abhängigkeit. Wer auf ihn hört, dem wird ein Weg gewiesen, auf dem es ihm gut ergeht. Hier liegt der tiefste Sinn des Gehorsamsgelübdes, das die Ordenschristen ablegen. Die Regel des heiligen Benedikt beginnt deswegen auch: „Höre, mein Sohn, ...“ Aber der Gehorsam gilt nicht nur für die Ordenschristen. Er ist Gott gegenüber eine Aufgabe aller Menschen. Gottes Willen zu tun ist die Garantie dafür, daß es uns gut ergeht, daß wir im Heil sind. Daß dieser Wille geschehe, erbitten wir in jedem Vaterunser; ihn aber auch zu erkennen, dazu müssen wir Hörende werden.

Gebet:
Heiliger Gott, hilf mir, damit ich Hörer deines Wortes sein kann. Wenn ich auf dich höre, dann gehöre ich zu dir. Nur so kann ich wissen, welchen Weg ich gehen soll; nur so wird es mir gut ergehen. Herr, ich danke dir für dein Wort. Amen.