30.8.2019

Brot für den Tag 20

Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! (1 Joh 2,15)

Samstag 28.4.1990

Diese Aufforderung, die Welt nicht zu lieben, ist mißverständ­lich. Wir kennen auch heute den Sachverhalt, daß mit einem Wort Unterschiedliches gemeint ist. Wenn Johannes von Welt spricht, dann meint er die sündige Welt, die von Gott abge­wandte Welt, nicht aber die Welt als Gottes Schöpfung.

Die sündige Welt ist „die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz“(Vers 15). Gottes Schöpfung aber braucht unsere Zuwendung gerade heute.

Auch wir Christen sind recht herrscherlich mit der Erde umge­gangen, und das oft aus einem falschen Verständnis der Bibel, in der Gott davon spricht, der Mensch möge sich die Erde un­tertan machen (vgl. Gen 1,28). Wieviel liebevoller geht ein Naturmensch mit der Erde um. Er betrachtet sie als seine Mut­ter, die ihm alles gewährt, was er zum Leben braucht.

Wir sind heute an einem gefährlichen Punkt angelangt. Es ist durchaus möglich geworden, die Erde unbewohnbar zu machen, ja sie zu vernichten. Aber das ist nicht gemeint, wenn wir nach Johannes die Welt nicht lieben sollen.

Vieles ist dadurch gekommen, daß Menschen zu sehr den Blick auf diese Welt gerichtet haben, dabei vergessend, daß sie nur Pilger sind, daß sie nichts von dem Erworbenen mitnehmen können, wenn sie diese Erde wieder verlassen. Und schon zu Lebzeiten kann Erworbenes verlorengehen: Es kann gestohlen werden, Motten und Rost können es zerstören. Alles ist ver­gänglich. Gott aber bleibt ewig.

Gebet:
Gott, du Schöpfer und Erhalter der Erde, schenke mir die rich­tige Liebe zu deiner Schöpfung. Ich möchte mich an deinen Gaben erfreuen können. In Dankbarkeit genieße ich den Reich­tum deiner Güte. Schenke mir die rechte Zuwendung zur Welt und bewahre mich vor einer Vergötzung.