3.7.2019

Brot für den Tag 3

Der Reiche rühme sich nicht seines Reichtums. Nein, wer sich rühmen will, rühme sich dessen, daß er Einsicht hat und mich erkennt (Jer 9,22f)

Dienstag 13.9.1988

Wenn Menschen einen Wunsch frei hätten, würden sie sich vermutlich etwas wünschen, was aber nur Ergebnis eines langen Prozesses sein kann, wenn es Glück bringen soll. Meist wünschen wir uns schon die Frucht, statt den Samen zu erbitten und in Geduld sein Wachsen abzuwarten.

König Salomo hatte von Gott einen Wunsch frei bekommen (vgl. 1 Kön 3,5), und er wünschte sich ein hörendes Herz (vgl. 1 Kön 3,9). Gott lobte ihn für diesen Wunsch und hob hervor, daß er sich nicht Reichtum herbeigewünscht habe, so bekomme er den noch dazu (vgl. 1. Kön 3,13). Einsicht zu haben und Gott zu erkennen, das müßte unser erster und größter Wunsch sein. Alles andere würde daraus folgen. Was Gott dem Jeremia sagt, sagt uns Jesus ähnlich: ,,Euch aber muß es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (Mt 6,33)

In den Märchen geht es ebenso. Im Märchen „Aschenputtel“ wünscht sich das Mädchen nicht den Prinzen, sondern ein Ballkleid aus Silber und Gold, um dann beim Tanz den Königssohn kennenzulernen. Die Mühe des Prozesses muß schon mitgenommen werden, und sei es nur in der Geduld des Wartens. Dazu kommt noch, daß zum Licht immer auch das Dunkle gehört. Im Märchen „Der Froschkönig“ muß die Königstochter, als sie die goldene Kugel wiederhaben will, auch den Frosch annehmen, was ihr gar nicht paßt. Aber gerade in ihm findet sie den Königssohn.

Können wir uns der Einsicht rühmen, Gott zu erkennen und seinen Willen zu tun? Zu oft müssen wir uns schämen, daß wir anderes dieser Einsicht vorgezogen haben.

Gebet:
Heiliger Gott, du bist reich an Erbarmen. Schenke mir Einsicht in deinen Willen, damit ich leben kann, wie es dir gefällt. So wird es mir an nichts fehlen, und alles wird mir zum Heile gereichen. Dein Wille geschehe jetzt und in Ewigkeit. Amen.