27.9.2019

Brot für den Tag 36

Und ihre (der Lebewesen) Gesichter sahen so aus: Ein Menschengesicht, ein Löwengesicht, ein Stiergesicht und ein Adlergesicht. (Ez 1,10)

Montag 18.10.1993

Ezechiel kann sich an Ort und Zeit seiner Berufung gut erin­nern und hat ganz gegenwärtig, was sich dabei ereignet hat: Ein Sturmwind kündigt seine Gotteserfahrung an. Was er schaut, ist für ihn schwer zu beschreiben. Uns fällt es schon schwer, ein Traumgesicht genau wiederzugeben, wieviel mehr noch eine Berufungsvision; denn darum handelt es sich.

Die vier Gesichter sind uns sehr vertraut: Mensch, Löwe, Stier und Adler (Vers 10). Wir kennen diese vier Lebewesen als Evangelistensymbole. Wir können uns die Zuordnung zu den einzelnen Evangelisten gut merken, wenn wir auf den Anfang eines jeden Evangeliums schauen. Matthäus beginnt mit dem menschlichen Stammbaum Jesu, ihm ist der Mensch zugeordnet; Markus übergeht die Kindheitsgeschichte Jesu und beginnt mit der Geschichte Johannes des Täufers, des Rufers in der Wüste, daher ist ihm der König der Wüste, der Löwe, zugeordnet. Das Evangelium des Lukas beginnt mit dem Opfer des Zacharias im Tempel, ihm ist der Stier zugeordnet, das Opfertier der alten Welt. Johannes schwingt sich gleich am Anfang seines Evange­liums mit seinem Prolog in die Lüfte des Geistes, ihm ist der Adler zugeordnet, der König der Lüfte.

Wenn diese vier Symbole auf Jesus angewendet werden, bedeuten der Mensch seine Menschwerdung, der Stier seinen Opfertod, der Löwe seine Auferstehung und der Adler seine Himmelfahrt.

Auch in der Leibtherapie werden diese vier Gestalten auf den Menschen bezogen. Der Mensch ist die ganze Gestalt von Kopf bis Fuß, dem Kopf ist der Adler, dem Herzen der Löwe und dem Bauch der Stier zugeordnet. Wenn Kopf, Herz und Bauch leben, bildet der Mensch eine ganze und heile Gestalt. Hier werden uralte Bilder ganz aktuell.

Gebet:
Guter Gott, laß uns dich einst schauen, wie du bist, von Ange­sicht zu Angesicht!