23.7.2019

Brot für den Tag 5

Dann mache ich dich für dieses Volk zur festen, ehernen Mauer (Jer 15,20)

Donnerstag 15.9.1988

Alle Dinge in unserem Leben haben ihre zwei Seiten: Sie können als Hilfe erfahren werden, sie können aber auch eine Behinderung sein. So geht es uns auch mit der Mauer. Wer im Gefängnis sitzt, wird die Mauern um sich herum als Behinderung seiner Freiheit empfinden. Bürger einer Stadt empfanden früher die Stadtmauern als Schutz vor der Bedrohung von außen.

Eigenartig wird es, wenn ein und dieselbe Mauer verschieden gedeutet wird. Da ist jemand der Meinung, er müsse mich einsperren, mich hinter Mauern bringen. Dabei erklärt er: Er wolle mich schützen vor Bedrohung von Menschen. Ich aber habe das Empfinden, gefangen zu sein. Im Dritten Reich nannte man so etwas Schutzhaft. Hier und da werden die umgebenden Wände als Schutz und Gefängnis zugleich erfahren. Die Arche Noah war Schutz vor den Wassermassen (vgl. Gen 3,14ff). Als die Bedrohung durch Wasser nachließ, wurde sie zum Gefängnis, und es drängte nach draußen ins volle Leben (vgl. Gen 8,4ff).

Jeremia bekommt von Gott die Zusage, daß er stark sein wird, wenn er zu Gott seinem Herrn steht, stark wie eine eherne Mauer, unbezwingbar für anstürmende Feinde. Hier ist ganz der positive Aspekt einer Mauer in den Blick genommen: Mauer als Schutz, nicht als Trennung vom Leben; vielmehr Schutz in der Bedrohung des Lebens.

Wo kann ich Schutz suchen und finden, wenn ich bedroht bin?

Gebet:
Heiliger Gott! In meinem Leben bin ich bedroht durch mancherlei Gefahren. Ich kann mich allein nicht schützen. Rette du mich aus der Hand des Bösen. Schenke mir Schutz und Hilfe, damit ich bei dir geborgen bin. Dann laß mich auch Schutz sein für andere, die dich nicht erkennen als den Herrn. Amen.