16.1.2020

Brot für den Tag 51

Der Herr wird an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet (Mt 24,50)

Dienstag 28.11.1995

Das Wachbleiben, um das Kommen des Herrn zu erwarten, ist nicht das einzige, was wichtig ist, der Herr erwartet auch den treuen Dienst. Er überträgt dem Knecht die Sorge für die Hausbewohner, er soll ihnen pünktlich geben, was sie jeweils nötig haben (vgl. Vers 45). Der Knecht ist treu, weil er so handelt, er ist klug, weil er weiß, daß es ihm bei der Rückkehr des Herrn Lohn und Lob einbringt.

Wenn der Evangelist dieses Gleichnis von Jesus erzählt, dann denkt er zuerst an die, die in der Gemeinde ein Amt ausüben. Aber es läßt sich auf das gesamte Leben eines jeden einzelnen Menschen übertragen.

Da der Herr unerwartet wiederkommen kann, kann der Knecht sich nicht sagen: „Ich lebe jetzt darauf los und kurz vor seiner Wiederkunft mache ich reinen Tisch, so daß er mir nichts anhaben kann; alle Beschwerden gegen mich werde ich als Lüge entlarven.“ Er wird als Heuchler entlarvt und diesen in seiner Strafe gleichgestellt (vgl. Vers 51). Heuchelei ist ein Zwiespalt zwischen Glauben und Tun. Nur das Leben, das aus beidem zur Einheit gefügt ist, kann vor Gott Bestand haben. Ein Leben ist schon in sich gerichtet, wenn es auseinanderbricht in Worte und Taten, in Schein und Sein.

Manche Hörer und Leser dieses Gleichnisses mögen den Eindruck haben, der treue Knecht dürfe nicht an sich denken, er müsse so eifrig für die anderen dasein, daß er gar keine Möglichkeit dazu habe. Das Gleichnis meint aber Egoismus, wenn es von Gelagen mit Trinkern spricht (vgl. Vers 49). Wer nur bei anderen sein kann und nicht auch bei sich selbst, lebt auch nicht gesund. Erst gesunde Selbstliebe ermöglicht gesunde Nächstenliebe, eine Liebe, die sich wirklich in den anderen Menschen versetzen kann, um dann zu erkennen, was gut für ihn ist.

Gebet:
Guter Gott, du willst uns treu in deinem Dienst finden. Hilf uns, uns selbst in rechter Weise zu lieben, damit wir auch dich und unseren Nächsten lieben können.