18.1.2020

Brot für den Tag 53

Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an (Mt 25,14)

Donnerstag 30.11.1995

Es gibt einen berühmten Film, der in Wien und seiner Kanalisation spielt: „Der dritte Mann“. Bei der Frage, wie wir mit unseren Talenten umgehen sollen, richtet sich unser Blick auf die beiden ersten Diener, die erfolgreich sind. Was wäre mit ihnen geschehen, wenn sie gescheitert wären? „Der dritte Mann“, das wäre auch eine Überschrift für dieses Evangelium. Der entscheidende Diener ist nämlich der dritte Mann. Was ist von diesem auch in uns?

Er hat zweifache Angst, Angst vor seinem Herrn und Angst vor seinen Mitmenschen. Der Herr ist streng und so mag der Diener wohl meinen, da er ihm nichts recht machen könne, erst gar nichts zu machen, dann könne er keine Fehler machen nach dem Grundsatz:
Wer viel macht, macht viel Fehler,
wer wenig macht, macht wenig Fehler,
wer nichts macht, kann keine Fehler machen,
wer keine Fehler macht, wird gelobt und befördert,
wer befördert ist, braucht nichts mehr zu machen.

Der Diener hat auch Angst vor seinen Mitmenschen, die ihm das Talent klauen könnten. So meint er den sichersten Weg zu gehen und vergräbt das Talent, um nichts zu verlieren, doch damit verliert er alles. Die anderen haben alles auf eine Karte gesetzt, aber ein solches Risiko wollte er nicht eingehen.

Wir können die Talente nicht nur mit Begabungen vergleichen, sondern mit unserem Leben überhaupt. Wieviel Angst vor dem Leben ist doch auch in uns, deshalb vergraben wir es lieber; der Möglichkeiten dazu gibt es viele: vom körperlich sich Verhärten bis zum sich Umgeben mit Verboten, so daß man gar nicht mehr leben darf.

Gebet:
Guter Gott, du traust uns etwas zu; dazu hast du uns Talente gegeben. Nimm uns die Angst vor dem Leben, gib uns Mut zum Leben, zum Leben in Fülle, wie dein Sohn es uns verheißen hat.