11.2.2020

Brot für den Tag 54

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan (Mt 25,40)

Freitag 1.12.1995

Was Jesus in seiner Verkündigung und Lehre für wichtig hält, faßt er in diesem Stück vom Weltgericht zusammen. Es geht um das ganze Evangelium im Blick auf das Gericht.

Der Menschensohn ist Hirt und König, der Hirt ist der König, der König ist der Hirt! Dieser Vergleich mag uns seltsam vorkommen. Was hat ein Schafhirt mit einem König zu tun? Aber so wie früher Arzt und Priester zusammengehörten, so auch Hirt und König.

Jesus Christus ist unser König, und er ist der Hirt und König der ganzen Schöpfung. An den ersten Königen in Israel wird schon deutlich, daß nur derjenige König werden kann, der auch gut zu Tieren ist, der auch ein guter Hirt sein kann.

Vor diesem Menschensohn, der König und Hirt ist, müssen wir unser Leben verantworten. Am Ende unseres Lebens wird offenbar, daß aller Dienst der Liebe ein Dienst am großen Bruder Jesus ist. Ist es nicht peinlich, daß nicht nach Gebet und Gottesdienstbesuch gefragt ist - vielleicht war das zu selbstverständlich - , gefragt ist nach dem, was wir heute die Werke der Barmherzigkeit nennen.

Heilige wie Martin und Franziskus haben erfahren, daß der Bettler und der Aussätzige, dem sie sich liebevoll zugewandt hatten, Jesus gewesen war. Im Traum gab Jesus sich ihnen zu erkennen.

Die Rede vom Weltgericht will keine Drohbotschaft oder Gerichtsdrohung sein, die Angst machen soll; sie soll allen eine Mahnung sein. Wir sollen nicht nur Not sehen, sondern auch handeln. Wir sollen nicht nur handeln, wenn wir den Herrn erkennen; er begegnet uns im geringsten Bruder und in der ärmsten Schwester.

Gebet:
Guter Gott, du bist uns in deinem Sohn nahe gekommen, in ihm erkennen wir unseren Bruder. Hilf uns, dich in allen Geschöpfen zu erkennen, besonders aber in unseren Schwestern und Brüdern.