12.2.2020

Brot für den Tag 55

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott (Jes 40,1)

Samstag 2.12.1995

Das in der Gefangenschaft von Babel schmachtende Volk braucht Trost. Dieser Trost wird ihm zuteil, weil es seine Schuld reichlich gebüßt hat (Vers 2). Es war aus eigener Schuld in diese Not geraten.

Hier wird deutlich sichtbar, daß Trost in einer Notsituation notwendig ist. Wer glücklich ist, braucht keinen Trost, es sei denn, er kann das Glück nicht genießen, weil er an ein mögliches kommendes Unglück denkt.

Echter Trost bedeutet Beistand im Elend und Ankündigung vom Ende des Elends. Der Trauernde senkt sein Haupt, der Tröstende richtet dessen Haupt auf, er soll sein Haupt erheben; denn es naht seine Erlösung. Jerusalem soll einen hohen Berg besteigen und zur Botin der Freude werden (Vers 9).

Falscher Trost bestünde darin, über das Elend hinwegzutrösten. Wir kennen Redensarten wie „Es ist ja alles nicht so schlimm!", „Andere haben es auch schlimm oder gar schlimmer!", „Jammere nicht so herum!" oder aber auch „Das bist du selbst schuld!", „Paß doch besser auf!", „Das geschieht dir ganz recht!".

Der wirkliche Tröster nimmt das Elend ernst, weint sogar mit. Ja, es ist schlimm, vielleicht sogar sehr schlimm, und man muß es durchleben, weil es sonst keine Befreiung daraus gibt.

Falscher Trost will ersparen, was man doch durchleiden muß. Echter Trost ist Beistand im Leiden. Echter Trost läßt die Tränen des Schmerzes gelten; denn diese werden zu Tränen der Sehnsucht nach Vollendung, zu Tränen der Reue über Sünde und Schuld. Echter Trost weint mit dem Trauernden.

Gebet:
Guter Gott, hilf mir, die Trauernden zu trösten und selbst Trost zu finden, wenn ich traurig bin. Hilf mir, mit den Weinenden zu weinen und jemanden zu finden, der mit mir weint, wenn meine Tränen fließen.