13.2.2020

Brot für den Tag 56

„Es gibt keinen Gott!“ (Ps 53,2)

Sonntag 28.7.1996

Ungeheuerlich! Eine solche Aussage in einem frommen Kalender. Aber sie steht in der Bibel. Wählt man nur das Entsprechende aus, läßt sich mit ihr alles beweisen. Der gesamte Psalmvers lautet: „Die To­ren sagen in ihrem Herzen: ‚Es gibt keinen Gott.’“ Dieser Psalm ist sehr alt, aber seine Aussage trifft auch für unsere Zeit zu. Nicht nur Toren denken so, sondern auch solche, die sich für „aufgeklärt“ halten. Wie steht es mit uns? Sind wir immer so fest davon überzeugt, daß es einen Gott gibt? Läßt sich an unserem Le­ben ablesen, daß wir an ihn glauben?

Was der Psalmist von den Toren sagt, könnte er vermutlich auch von uns sagen: „Sie handeln verwerflich und schnöde; da ist keiner, der Gutes tut. ... Alle sind abtrünnig und verdorben, ... Sie es­sen Gottes Brot, doch seinen Namen rufen sie nicht an“ (Verse 2-5). Aber auch heute noch gilt: „Gott blickt vom Himmel herab auf die Menschen, ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht“ (Vers 3).

In ihrem Suchen und ihrer Sehnsucht finden viele Menschen das Fal­sche und geraten in eine Sucht. Wer aber gibt heute Zeugnis von dem lebendigen Gott, nach dem sich die Menschen sehnen? Es scheint, als hielten auch die Kirchen Antworten bereit auf Fragen, die niemand gestellt hat. Wo bleiben aber die Antworten auf die wirklichen Fragen? Manche Vertreter der Kirchen geben zu, sie auch nicht zu kennen. Aber das ist ja schon eine Hilfe; denn so können alle gemeinsam suchen.

„Sucht ihr mich, so findet ihr mich. Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden“ (Jer 29,13), läßt Gott uns durch den Propheten sagen. Aber suchen wir von gan­zem Herzen?

Wir werden nie umfassend sagen können, wer Gott ist, aber wir kön­nen sagen, wie Gott ist, wie wir ihn in unserem Leben erfahren. Unser Glaube an den erfahrbaren Gott wird nie ganz ohne Zweifel bleiben. Aber immer wieder werden wir einen Grund finden, unseren Glauben zu erneuern. Mit dem Hauptmann im Evangelium können wir sagen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24)

Gebet:
Heiliger Gott, es ist nicht leicht, an dich zu glauben. Du drängst dich uns nicht auf. Aber unübersehbar sind die Zeichen deiner Ge­genwart in unserem Leben. Öffne unsere Augen für dich und das Le­ben mit und in dir.