24.7.2019

Brot für den Tag 6

Ich zerbreche dieses Volk und diese Stadt, wie man Töpfergeschirr zerbricht (Jer 19,11)

Freitag 16.9.1988

Die Propheten haben den Menschen nicht nur durch Worte Gottes Botschaft verkündet; ihre Rede wurde unterstrichen durch Symbolhandlungen. Der Prophet Jeremia soll einen irdenen Krug kaufen und ihn vor den Ältesten des Volkes und vor den Priestern zerbrechen (vgl. Jer 19,1.10). Das wird ein fragendes Staunen gewesen sein: Wie kann da einer einen neuen, heilen Krug absichtlich zerbrechen? Aber dann hören sie die Drohrede: „Ebenso zerbreche ich dieses Volk, so spricht der Herr der Heere!“ Wer kann das schon ertragen? Und so wird Jeremia durch den Oberaufseher des Hauses in den Block gespannt (vgl. Jer 20,2).

Hinter diesem Bildwort steht die Vorstellung, daß Gott wie ein Töpfer seine Geschöpfe geformt hat. Zerbrechlich sind sie. Paulus schreibt von den zerbrechlichen Gefäßen, in denen wir den Schatz der Erkenntnis Gottes tragen (vgl. 2 Kor 4,7). Diese sind handgeformt, und keines ist wie das andere. Wir sind keine Massenware vom Fließband. Jedes Gefäß ist einmalig und unverwechselbar.

Wir aber halten uns für unzerbrechliche Gefäße und vergessen, daß wir geformt sind. Wir wenden uns ab von unserem Töpfer und wollen nichts von ihm wissen. So will Jeremia auch uns durch seine ausdrucksvolle Drohrede deutlich zeigen, um was es geht. Wir sollen zur Besinnung kommen.

Unbesonnen aber wie wir sind, fangen wir selber an, die Erde unbewohnbar zu machen. Wir beuten sie aus und zerbrechen das, was Gott geschaffen hat. Wer kann uns aufhalten in unserem unvernünftigen Tun?

Gebet:
Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, wie groß bis du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. Wie zahlreich sind all deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. Lobe den Herrn, meine Seele! (Ps 104,1.24.35)