25.7.2019

Brot für den Tag 7

Zu dir rufe ich, Herr, mein Fels. Wende dich nicht schweigend ab von mir! (Ps 28,1)

Sonntag 16.4.1989

Der Beter dieses Psalmes gebraucht eine Fülle von Bildworten, um Gott seine Not zu klagen und für die Erhörung zu danken. Der Beter fleht laut, ja, er schreit zu Gott, er erhebt seine Hände zum Allerheiligsten (Vers 2). Es ist zu vermuten, daß der Beter im Tempel weilt und den Altar vor sich hat. Der Altar ist aus Felsgestein. Zu ihm die Hände zu erheben und ihn zu berühren, war nicht nur Ausdruck des Gebetes; der Tempel mit seinem Altar war auch eine Asylstätte. Wer den Altar mit seinen Händen berührte, konnte nicht verhaftet werden. So wird der Herr selbst für den Beter zum Fels, der Rettung gewährt vor Nöten und Bedrängnissen. Wenn der Herr sich abwendete und schwieg, bedeutete das Unheil für den Beter. Dann würde er zu Tode erstarren und müßte begraben werden. Felsgestein kann Halt gewähren. Ein Haus, das auf Fels gebaut ist, hat bei Sturm und Wolkenbruch festen Bestand, während ein Haus, das auf Sand gebaut ist, bei Regen und Wind weggeschwemmt wird (vgl. Mt 7,24-27). Die Kirche selbst ist deswegen von Jesus Christus auf einen Fels gebaut worden (vgl. Mt 16,18).

Gott als Fels kann aber nach der Vorstellung des Beters nicht nur Halt und Schutz gewähren, sondern der Beter erwartet auch, daß dieser Fels aufnehmen und hören kann, ja daß er sich dem Beter zuwendet (vgl. Vers 1). In Gott ist das Feste auch beweglich; denn in ihm fallen alle Gegensätze zusammen. Der Schluß des Psalmes, der nach der Klage den Dank des Beters aufklingen läßt, macht deutlich, daß ihm Erhörung zuteil wurde (vgl. Vers 6ff).

Gebet:
Gott, du bist mein Fels und mein Heil. Hilf mir, mein Haus auf festen und felsigen Grund zu bauen, um durch deinen Schutz vor allen Anfeindungen gesichert zu sein. Dir sei Lob und Dank in Ewigkeit. Amen.