3.6.2020

Brot für den Tag 70

„Leite mich auf dem altbewährten Weg!“ (Ps 139,24)

Sonntag 26.7.1998

Ein bekanntes Wort lautet: „Ich wähle den Weg, den ich geführt werde!“ Ich habe es anläßlich meines silbernen Priesterjubiläums gewählt. Bis auf den heutigen Tag spü­re ich mein Leben in der Spannung von „den Weg selbst gehen" und doch „geführt werden“.

Als Petrus dem Auferstandenen begegnet, hört er die Wor­te: „Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegür­tet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.“ (Joh 21,18)

In jungen Jahren ging ich den Weg, von dem ich wußte, wohin er führte und wußte mich dabei geführt. Ich hatte dennoch das Gefühl, selbst zu bestimmen, wohin es geht. Dann gab es aber eine Zeit, in der ich mich geführt fühlte, ohne zu wissen, wohin, und manchmal sogar dahin, wohin ich nicht wollte. Dabei hatte ich mir eingebildet, sagen zu können: „Nicht wissend den Weg, geh ich den Weg, mit geöffneten Händen.“ Unsere geöffneten Hände sind ein Symbol für das Empfangen. Wie aber gehen wir damit um, wenn wir etwas empfangen, was uns nicht in den Plan paßt?

Der Apostel Petrus begreift seinen Weg erst, als Jesus ihm auf der alten römischen Gräberstraße, der Via Appia, begegnet und auf seine Frage: „Quo vadis, domine? - Wohin gehst du, Herr?“, antwortet: „Ich gehe nach Rom, um mich nochmals kreuzigen zu lassen.“ Daraufhin will er auf andere Art sterben als sein Herr und Meister und läßt sich mit dem Kopf nach unten kreuzigen.

Gebet:
Gott, führ du mich deine Wege!