10.7.2020

Brot für den Tag 77

„Was wir hörten und erfuhren, was uns die Väter erzählten, das wollen wir unseren Kindern nicht verbergen“ (Ps 78,3f)

Sonntag 5.9.1999

Das Verhältnis von alt und jung, Eltern und Kindern, ist ein Generations- ja Menschheitsproblem. Eltern möchten ihre Kinder vor bestimmten „Gefahren“ bewahren und ihnen ihre eigenen Erfahrungen weitergeben. Die Kinder aber möchten möglichst bei Null anfangen. Jeder vergißt in seinem Leben einmal, vor allem in jungen Jahren, daß er auf den Schultern seiner Vorfahren steht. Kein Mensch kann sich jemals ganz von dem befreien, was er mit der Muttermilch aufgesogen hat.

„Wie er sich räuspert und wie er spuckt, das habe ich ihm glücklich abgeguckt“ heißt es in Friedrich von Schillers (1759-1805) Schauspiel „Wallensteins Lager“. Manchmal ist jemand auch bewußt stolz auf das Erbe seiner Vorfahren, er muß es sich nur erwerben nach der Devise: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832: Faust).

Was für das allgemeine Leben gilt, gilt für Israel in besonderem Maße für seinen Glauben. Das ganze Erste Testament ist ein Schatz, der uns Israels Erfahrungen mit seinem Gott Jahwe aufzeigt. So fragt der jüngste Sohn beim Paschafest nach dem Grund des Festes, woraufhin der Hausvater die Heilsgeschichte erzählt gemäß Exodus 13,8: „Ab diesem Tag erzähl deinem Sohn: Das geschieht für das, was der Herr an mir getan hat, als ich aus Ägypten auszog.“

Der Glaube kommt vom Hören (vgl. Röm 10,14). Was habe ich über meinen Glauben gehört? Was gebe ich gerne denen weiter, die nach mir kommen?

Gebet:
Guter Gott, schenke mir offene Ohren für die Botschaft des Glaubens.