11.7.2020

Brot für den Tag 78

Und er heilte sie (die Lahmen, Krüppel, Blinden und Stummen) (Mt 15,30)

Montag 6.9.1999

Unsere Sinne sind Tore zur Wirklichkeit und ermöglichen uns, uns von unserer Selbstbefangenheit zu befreien und uns für das zu öffnen, was außer uns existiert.

Schauen wir auf die Heilungswunder Jesu, so fällt auf, daß er vor allem die Sinne der Menschen heilt. Jesus möchte die Kranken in einen gesunden Kontakt mit der Wirklichkeit bringen.

Es gibt keine religiöse Erfahrung ohne Vermittlung der Sinne. Auf Katholiken‑ und Kirchentagen gibt es in neuerer Zeit immer mehr Beispiele dafür, daß sinnliche Wahrnehmung Bestandteil der Verkündigung wird. Liturgischer Tanz, Gebetsgebärden, Salbungen und das intensive Schmecken bei Abendmahl und Kommunion bereichern die Gottesdienste. All das hilft, Gott mit unseren Sinnen wahrzunehmen.

Im Kult werden alle Sinne angesprochen, und als Teilnehmer heiliger Handlungen erfahren wir mit allen Sinnen das Geschehen. Unsere Augen nehmen die Bildwelt des Raumes und das Geschehen am Altar wahr, unsere Ohren hören das heilige Wort, unsere Nase nimmt den Weihrauch und den Duft der Blumen und Kerzen auf, mit der Haut fühlen wir den Friedensgruß unserer Mitmenschen und unsere Zunge schmeckt die heilige Speise von Brot und Wein.

Auch bei der Spendung der Sakramente werden unsere Sinne angesprochen, man könnte sie Zärtlichkeitserweise Gottes für uns Menschen nennen. In der Taufe geschieht ein Öffnen aller Sinne und ein Fühlen des Wassers und des Öles. In der Firmung spüren wir die Salbung. In der Eucharistie schmecken und riechen wir Brot und Wein und nehmen schauend und hörend an der Eucharistiefeier teil. In der Buße hören wir die Lossprechung. Bei der Spendung der Ehe hören die Brautleute das gegenseitige Ja‑Wort und spüren die Hand ihres Partners.

Gebet:
Vater, du unser Schöpfer, öffne uns für die Wunder deiner Liebe.