12.9.2020

Brot für den Tag 83

Wenn euer Glaube auch nur so groß ist wie ein Senfkorn (Mt 17,20)

Samstag 11.9.1999

Da ich noch keinen Berg versetzt habe, scheint mein Glaube noch kleiner zu sein als ein Senfkorn. Und doch gilt die Wahrheit, die in diesem Bildwort ausgedrückt ist, auch für mein Leben. Roger Schutz, der Prior von Taizé, hat das so formuliert: „Lebe das vom Evangelium, was du begriffen hast, und sei es noch so wenig.“ Das Wenige wird zum Kristallisationspunkt, an den sich anderes ansetzen kann. Jesus selbst hat Mut gemacht mit dem Gleichnis vom Senfkorn (vgl. Mk 4,30-32, Mt 13,31-32; Lk 13,18-19), das bei drei Evangelisten überliefert ist. Die Hoffnung auf das Wachsen des Senfkornes Glauben kann ich verbinden mit der Bitte: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben (Mk 9,24).

Die Sehnsucht, glauben zu können, ist ein guter Kristallisationspunkt, damit mein Glaube wachsen kann, und Gott beschenkt mich mit der Erfahrung: „Dein Glaube hat dich gesund gemacht.“

Dabei muß es sich nicht um eine spektakuläre Krankheit handeln. Schon im Alltag erleben wir immer wieder, auch bei kleinen Begebenheiten, Gottes Gegenwart, wenn wir unser Leben in Gott festmachen. Glauben heißt, sich festmachen in Gott (vgl. Hebr 11,1). Warum aber machen wir uns lieber an und in allem anderen fest als in Gott? Er macht es uns nicht leicht, er zwingt uns nicht mit Gewalt, aber er wirbt um uns und lädt uns ein, zu glauben, daß er unser Heil ist.

Glauben setzt Vertrauen voraus. Es geht beim Glauben nicht so sehr um Inhalte als um Personen. Nicht: „Ich glaube das und das!“, steht im Vordergrund, sondern: „Ich glaube dir“. Das heißt soviel wie: „Ich liebe dich!“ Aber wie oft steht da unsere falsche Selbstliebe im Weg. Könnten wir doch mehr vertrauen und lieben!

Gebet:
Gott, ich glaube, hilf meinem Unglauben.