10.9.2020

Brot für den Tag 81

Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! (Mt 16,23)

Donnerstag 9.9.1999

Jesus sagt dieses harte Wort zu Petrus, dem er gerade die Schlüssel des Himmelreiches übergeben hat. Man könnte annehmen, er würde so etwas eher zu Judas sagen, der ihn verrät und ausliefert. Aber den begrüßt er vor seiner Gefangennahme mit „Freund, dazu bist du gekommen?“ (Mt 26,50). Das ist schon eigenartig, seinen Stellvertreter auf Erden nennt er Satan und seinen Verräter Freund. Wie würde er mich begrüßen?

Vermutlich soll uns deutlich werden, daß wir immer beides sind: „Freund“ und „Satan“. Die großen Menschen haben immer gewußt, daß sie zu allem fähig sind, auch zum Schlimmsten: „Es gibt nichts, was ich in Gedanken nicht auch schon getan habe.“ Wer kennt das nicht auch von sich? Daß es dann nicht zur Tat gekommen ist, lag meist nicht an uns oder an unserer Tugendhaftigkeit.

Jesus aber verwirft auch schon die bösen Gedanken. Manchmal hilft es, sie zu bekennen. Wir sollen aus unserem Herzen keine Mördergrube machen. Menschen, die wissen, wozu sie fähig sind, wenn sie nur in die entsprechende Situation geraten, fürchten nichts mehr als sich selbst.

Wer so um sich weiß, ist auch nachsichtig mit anderen. Er kann sie verstehen und ihnen helfen, dem Bösen in sich nicht zu erliegen.

Viele möchten das Böse in sich besiegen, indem sie es umbringen. Das geht nicht. Wir müssen das Böse verwandeln. Es gibt das Bild vom Tiger, der nicht getötet, sondern gezähmt und geritten werden will.

Gebet:
Guter Gott, Du bist der allein Gute. Hilf mir, das Böse in mir zu verwandeln, damit ich vor Dir wohlgefällig lebe.