10.2.2021

Brot für den Tag 91

Meine Hilfe und mein Retter bist du, Herr, säume doch nicht! (Ps 70,6b)

Sonntag 14.1.2007

Wer zugibt, daß er Hilfe braucht, hat schon viel gewonnen. Es ist ein Teil des Zugeständnisses, Geschöpf und damit abhängig zu sein. Doch bei wem bitte ich um Hilfe? Warum nicht gleich bei dem, der mich geschaffen hat?

Der Beter des Psalms ist sicher, daß Gott ihm helfen wird. Aber es ist auch eine Prise Ungewißheit und Zweifel mit dabei. Es gibt keine mathematische Gewißheit, daß eine Glaubensaussage stimmt, daher ist sie nicht beweisbar. Ebensowenig kann ich jemandem meine Liebe beweisen, er darf mir glauben. Insofern ist Glauben mehr als Wissen.

„Ungewißheit und Wagnis“ ist der Titel eines bekannten Buches des Philosophen Peter Wust (1884-1940), dessen Vorlesungen in den 1930er Jahren Studenten aller Fakultäten in Münster hörten. Sein Leben stand in der Spannung von Wagnis und Sicherheit. Das bezeugte er vor seinem Tod: „Ich befinde mich in absoluter Sicherheit!“ schrieb der krebskranke Mann, weil er nicht mehr sprechen konnte, auf ein Täfelchen.

Die Ungewißheit, ob Gott helfen wird, läßt mich überlegen, wie ich mir selbst helfen kann. „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“, lautet eine alte Volksweisheit. Etwas theologischer drückt es der heilige Ignatius von Loyola (1491–1556) aus: „Vertraue so, als wenn es nur von Gott abhängt; handle aber gleichzeitig so, als wenn es nur von dir abhängt.“ Große Wahrheiten lassen sich nur im Paradox zum Ausdruck bringen.

So sieht es auch der Psalmist. In das drängende unruhige Bitten „Herr, säume doch nicht!“ fällt ein Augenblick, der ihm beruhigende Gewißheit und Gottvertrauen gibt: „Meine Hilfe und mein Retter bist du!“ Die Spannung zwischen dem Haben und dem Harren, die der Gesamtkomposition des Psalmes ihr eigenes Gepräge gibt, klingt deutlich und eindringlich auf.

Kann ich so beten wie der Psalmist?