6.4.2021

Brot für den Tag 94

Da sagte der Herr zu Jakob: „Kehr zurück in das Land deiner Väter und zu deiner Verwandtschaft! Ich bin mit dir.“ (Gen 31,3)

Samstag 9.6.2007

Am Anfang der Menschheitsgeschichte steht eine Vertreibung. Adam und Eva übertraten Gottes Gebot, und er verwies sie aus dem Paradies. Damit ist ein Thema aufgeworfen, das in zahllosen Variationen die Zeiten durchzieht.

Wer auf einem Erdenstück, sozusagen auf seiner Scholle, wo er sich zu Hause fühlt, lebt, kann sich nur schwer vorstellen, daß zum Beispiel Sinti und Roma, Schausteller und Zirkusartisten und viele andere Menschen gerne umherziehen und immer wieder neu aufbrechen.

Aber es gibt auch Menschen, die mit den Existenzbedingungen ihrer Heimat unzufrieden sind und sich auf die Suche nach dem Gelobten Land machen. Immer wieder müssen kleinere oder größere Gruppen innen- oder außenpolitischer Gewalt weichen und ihr angestammtes Land verlassen.

So war es auch nach dem Auszug der Kinder Israels aus Ägypten, wo diese unter unwürdigen Bedingungen gelebt hatten. Sie kamen in das Land, wo „Milch und Honig fließt“. Aber auch dort wurden sie vertrieben, vertrieben aus dem Land ihrer Väter. Dorthin soll Jakob zurückkehren, und Gott ist mit ihm.

Bei der Frage nach unserem Zuhause sollten wir uns von der räumlichen Vorstellung lösen. Hat auch der Mensch durch Geburt seine Wurzeln an einem bestimmten Ort, den er Heimat nennt, so ist er dennoch nirgendwo richtig zu Hause. Er ist unterwegs, getrieben von einer Sehnsucht. Wohin geht er? „Immer nach Hause“, ist die Antwort des Dichters Novalis (1772-1801). Dieses wahre Zuhause läßt sich nicht auf dieser Erde finden. „Unsere wahre Heimat ist im Himmel“, sagt der Apostel Paulus in seinem Brief an die Philipper (3,20). Bis dahin sind wir „nur Gast auf Erden“, wie wir bei Beerdigungen singen. Ich denke, „wir sind zu Gast auf Erden“, und das kann sehr schön sein, wenn wir bei uns selbst zu Hause sind nach dem Motto von Karl Valentin (1882-1948): „Heute besuch’ ich mich, hoffentlich bin ich zu Hause.“

Wo bin ich wirklich zu Hause?

Kurzspredigt in Billerbeck