8.4.2021

Brot für den Tag 96

Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade, jetzt ist er da, der Tag der Rettung (2 Kor 6,2b)

Dienstag 28.10.2008

Wer aus der neuen Schöpfung herausgefallen ist, bedarf der Errettung. Manche Menschen aber verweigern sich ihr. Ihnen ruft Paulus zu: „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.“

Die alten Griechen unterschieden in ihrer Sprache verschiedene Formen von Zeit und gaben ihnen Namen von Göttern. Neben der Chronos-Zeit, die wir mit unserer Uhr, dem Chronometer, messen, gibt es den Kairos, den gefüllten Augenblick, benannt nach einem Sohn des Gottes Zeus.

Jesus weinte im Anblick Jerusalems: „Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen. Es wird eine Zeit für dich kommen, in der deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschließen und von allen Seiten bedrängen.“ (Lk 19, 41)

Die Griechen hatten dem Kairos in Olympia einen Altar gewidmet. Es gibt einen Dialog zwischen einem Besucher und dem Bildnis. So läßt sich erschließen, wie die Darstellung des Kairos aussah: „Warum gehst du auf Zehenspitzen?“ „Ich laufe unablässig.“ „Warum hast du an beiden Füßen Flügel?“ „Ich fliege wie der Wind.“ „Warum trägst du in der rechten Hand ein Messer?“ „Um die Menschen daran zu erinnern, daß ich spitzer bin als jede Spitze.“ „Aber warum fällt dir eine Haarlocke in die Stirn?“ „Damit mich greifen kann, wer mir begegnet.“ „Warum bist du kahl am Hinterkopf?“ „Wenn ich mit geflügelten Füßen an jemandem vorbeigeflogen bin, wird mich keiner von hinten erwischen, so sehr er sich mühte!“

Es gilt, den rechten Augenblick der Gnade beim Schopfe zu packen.