13.5.2021

Christi Himmelfahrt

„Gott habe ich nicht gesehen! Der Himmel war leer, Genossen!“ Dieser Ausspruch stammt von dem russischen Kosmonauten Juri Gagarin (1934-1968) im April 1961 nach seiner erfolgreichen Erdumkreisung in der Raumkapsel.

Wir feiern das Fest Christi Himmelfahrt. Kann man den Himmel, in den Christus aufgefahren ist, sehen? Wohl ebensowenig wie man die jungfräuliche Empfängnis Jesu im Schoß Mariens oder die Auferstehung aus dem Grab hätte photographieren können.

Bei Jesaja 7,14 ist von einer jungen Frau die Rede, bei Matthäus 1,23 wird daraus eine Jungfrau, die einen Immanuel - Gott ist mit uns - gebären wird. In dieser Bildsprache wird auch die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu beschrieben. Thomas Söding (* 1956), Theologe und Professor für Neutestamentliche Exegese an der Ruhr-Universität Bochum, schrieb in einem Leserbrief in der F.A.Z. vom 4. Januar 2021 Nr. 2 unter anderem:
„Die Evolution bringt keinen Messias hervor. Wenn es einen Retter gibt, hat ihn der Himmel gesandt. Das besagt das Bekenntnis der Jungfrauengeburt. Sie ist unglaublich - wie die Auferweckung Jesu von den Toten und seine Botschaft, das Reich Gottes sei nah gekommen. Diese Anstößigkeit lässt sich nicht philologisch entsorgen; sie gehört zum Bekenntnis des Glaubens; sie begründet die Hoffnung, dass Gottes Ehre im Himmel und Gottes Frieden auf Erden zusammengehören wie zwei Seiten einer Medaille.“
Link zum Leserbrief

Wir müssen lernen, daß ALLES NICHTS ist und NICHTS ALLES; denn das gilt für Gott und seine Schöpfung. Dieses ALLES und NICHTS ist ohne Raum und Zeit, es ist das ewige JETZT. Aber wir sind nicht fähig, dies wirklich zu begreifen, da hilft nur der Glaube.

Angelus Silesius (1624-1677) verortet den Himmel in uns: „Halt an, wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir. Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.“

Wann aber erfahren wir den Himmel in uns? In Stunden, wenn eine Musik tief verborgene Seiten in uns zum Schwingen bringt? In Momenten, in denen wir einem geliebten Menschen nahe sind? Solche Erlebnisse zeugen unter anderen von einer Wirklichkeit, die größer ist als wir selbst.

* * * * *

Ohne Raum- und Zeit-Vorstellung können wir uns kein Bild vom Himmel machen. Aber der Himmel ist kein Raum, man kann ihn höchstens als Zustand bezeichnen. Dasselbe gilt auch für die Hölle, falls man daran glaubt, daß es sie gibt.

Aber die Menschheit hört nicht auf, sich den Himmel als Ort und Raum vorzustellen, sondern schafft immer mehr Bilder von einem Himmel beziehungsweise einer Hölle, wie zum Beispiel in dem Video „Ein Münchner im Himmel" des Bayerischen Rundfunks oder der Göttlichen Komödie von Dante Alighieri (1265-1321).

Siehe auch „Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl“.