14.1.2022

Das Eigene und das Fremde 1

Ist Fremdenfeindlichkeit angeboren?

Der Haß auf die anderen ist wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Weltweit hassen die Menschen, und ihr Haß richtet sich oft ohne nachvollziehbare Begründung gegen die Fremden. Zeigt sich hier womöglich ein biologisches Erbe des Menschen, da dieser Haß in immer neuem Gewand auftritt?

Genetisch festgelegt scheint jedenfalls eine frühkindliche Form der Ablehnung Fremden gegenüber zu sein. Im Alter von etwa sechs Monaten beginnen Säuglinge gewöhnlich zu fremdeln, deshalb müssen sie aber keine schlechten Erfahrungen mit Fremden gemacht haben. Wenn die Bindung an die Mutter schwach ist, stärkt fehlendes Vertrauen die Fremdenfurcht des Kleinkindes. Andererseits erhöht die Scheu gegenüber Fremden die Bindung des Kindes an die Mutter.

Abweichler einer Gruppe werden ausgestoßen und gelten als schwarze Schafe. Wer angepaßt innerhalb der Gruppe lebt, wird mit einem starken Wir-Gefühl belohnt.

Die Fremdenfeindlichkeit zielt nicht auf die Auseinandersetzung mit dem Konkurrenten, sondern auf den Zusammenhalt der eigenen Gruppe. Damit die Menschen verläßlich in ihren Horden bleiben, wurden sie im Verlauf der Evolution mit einem Grundmißtrauen gegen Fremde ausgestattet.