Das Kind als Symbol für Glücklichsein

Zur Zeit gehört der Rhythmus, und der Wechsel gehört zum Glück. Glück kann schon in der Vorfreude liegen. In Antoine de Saint-Exupérys (1900–1944) Buch „Der kleine Prinz“ empfindet der Fuchs bereits Glück, wenn er weiß, wann der Freund kommt.

Bei Kindern sind die inneren Bilder stärker als die Wirklichkeit. Was gestalten sie nicht alles aus Bauklötzchen. Aus einem Stoffwickel machen sie eine Puppe, und der verhangene Tisch dient ihnen als Haus.

Nicht da ein Kind den Ernst des Lebens noch nicht kennt, sondern aus folgenden Gründen gilt ein Kind als Symbol für Glücklichsein:

  1. Leben wird zum kleinen Glück, wenn Trennung aufgehoben wird, wenn gegensätzliche Pole sich finden und Neues entsteht. Wenn Frau und Mann sich in der Liebe vereinigen, kann neues Leben wachsen und ein Kind geboren werden. Dieses Kind ist Zeichen für die Einheit von Mutter und Vater. Eine solche Einheit bedeutet Glück; denn es gibt weder Absonderung noch Entfremdung. In der Sünde lebt der Mensch entfremdet, entfremdet von Gott, vom Nächsten, von der Umwelt und von sich selbst. Er sehnt sich nach Heil und Glück und bedarf der Erlösung. Diese erfährt er durch ein Kind. Gott selbst wird dieses Kind. Genau das feiern wir an jedem Weihnachtsfest.
  2. Ein Kind hat noch die Fähigkeit, ganz in der Gegenwart zu leben. Sein Zeitgefühl ist anders als das der Erwachsenen. Es gehört mehr dem gefühlten Augenblick an, dem Kairos, als dem Diktat der Zeit, dem Kronos. Es lebt gewissermaßen im Paradies. Dann aber erfolgt recht bald die Vertreibung. Es gibt zwar kein zurück ins Paradies, aber ein voraus ins Gelobte Land, ins Himmelreich, ins Reich des großen Glücks. Dazu muß der Mensch wieder Kind werden. Das bedeutet nicht „kindisch werden“ oder gar „Kind bleiben“. Es gilt zwar, den Weg durch die Erwachsenenwelt zurückzulegen, aber um im Land des Glückes zu leben, muß die Haltung des Kindes wieder erworben werden. Jesus ließ die Kinder zu sich kommen, weil ihnen das Himmelreich gehört (vgl. Lk 18,16).
    Ein Kind zeichnet sich unter anderem durch das Ebenmaß seines Gesichtes aus. Die Gesichtshälften sind symmetrisch. Das ändert sich während des Erwachsenwerdens. Dennoch bleibt diese Symmetrie ein Ideal und somit eine Sehnsucht, die sich erst nach dem irdischen Leben erfüllt.
  3. Manche Menschen träumen von Kindern, sei es, daß sie sich selbst als Kind erleben, mit einem Kind zu tun haben oder sogar selbst ein Kind bekommen. Manche Menschen erschrecken auf Grund solcher Träume. Doch diese sind sehr positiv. Das Kind steht für ein Neuwerden im Träumer, es will etwas wachsen: Das „Traumkind“ zeigt jene Gestalt, die aus der Synthese von bewußten und unbewußten Persönlichkeitsteilen hervorgeht. Das Kind ist daher ein die Gegensätze vereinigendes Symbol und somit Zeichen für Heil und Glück.