4.2.2022

Offensichtlich erliegen wir einer Illusion, wenn wir glauben, das einzige Lebewesen unserer Art im Kosmos zu sein

Wie einzigartig sind wir Menschen im Kosmos?

Antwort auf diese Frage gibt der Artikel Ist der Mensch der Mittelpunkt des Universums?

Was ist mit Lebewesen auf einem anderen Stern?

Unter der Überschrift „Sternentrümmer“ und den einleitenden Zeilen „Supernova-Explosionen leuchten in unserer Galaxie alle paar Jahrzehnte bis Jahrhunderte kurz als neue Sterne auf. Mit modernen Teleskopen sieht man die Reste der geborstenen Sonnen noch nach Jahrtausenden. Ein reizvoller Anblick – und ein lehrreicher“ berichtete Ulf von Rauchhaupt (* 1964) in der F.A.Z. vom 12. Januar 2022 über Trümmerfelder von Supernovae aus verschiedenen Jahrhunderten.

Besonders lesenswert in dem umfangreichen Artikel sind meines Erachtens die Abschnitte 12 und 13:

Weltbewegende Wirkung kann allenfalls den beiden Supernovae von 1572 und 1604 unterstellt werden, insofern sie nämlich an der Ablösung des geozentrischen Weltmodells durch das heliozentrische Bild des Kopernikus beteiligt gewesen sein könnten. Man begegnete ihnen in Europa bereits in einem Zeitalter erwachenden neuzeitlich-naturwissenschaftlichen Denkens, aber noch bevor Fernrohre für astronomische Beobachtungen zum Einsatz kamen. Das Ereignis vom November 1572 im Sternbild Cassiopeia ist heute als „Tychos Supernova“ bekannt, da der dänische Astronom Tycho Brahe eine eigene Schrift darüber verfasste. Deren Titel „De nova et nullius aevi memoria prius visa stella“ (etwa: Über einen neuen und seit Menschengedenken nicht gesehenen Stern) mag die Idee befördert haben, jene Erscheinung habe die Menschen damals ganz besonders beunruhigt. Der auf Himmelsphänomene in Kunst und Literatur spezialisierte Astronom Don Olson von der Southwest Texas State University wollte 1998 sogar in Shakespeares „Hamlet“ eine Anspielung auf die Supernova von 1572 identifiziert haben – der englische Dramatiker hatte das Ereignis ja schließlich selbst miterleben können. Allerdings war Shakespeare 1572 erst acht Jahre alt.
Der Supernova vom Oktober 1604 widmete schließlich kein Geringerer als Johannes Kepler ein eigenes Buch. Dort knöpft er sich zum einen die Thesen der Astrologen vor, stellt aber auch fest, dass der ein Jahr lang sichtbare „Neue Stern“ seine Position am Fixsternhimmel nicht änderte, anders als etwa Kometen. Die Erscheinung müsse daher selbst zur Fixsternsphäre gehören, die somit keineswegs so unveränderlich sei, wie die geozentrische Kosmologie des Aristoteles es unterstelle. Die von Kepler angegebene Position war so präzise, dass sie Astronomen Mitte des 20. Jahrhunderts erlaubte, den zugehörigen Supernova-Überrest zu finden. Optisch macht der allerdings nicht viel her, bedeutend stärker leuchten die Trümmer der Kepler-Supernova im Radio- und Röntgenlicht. Aber wodurch wird dieses erzeugt?