3.4.2021

 

 

 

 

Das Triumphkreuz in Münster

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Kreuz Christi ist auch ein Zeichen des Sieges

Montags-Gespräch mit Hans-Karl Seeger am 19. September 1988

Das Kreuz Christi ist auch ein Zeichen des Sieges

Kreuz MZ

Am vergangenen Mittwoch hat die Kirche das Fest Kreuzerhöhung gefeiert. Anlaß ist, daß am 14. September 335 das durch die Kaiserin Helena (um 250 – um 328) wiedergefundene Kreuz Christi den Christen erstmals zur Verehrung gezeigt, „erhöht“ wurde. Gefeiert wird auch, daß das von den Persern geraubte Kreuz 629 von Kaiser Heraklius (um 575-641) im Triumph erhöht nach Jerusalem zurückgebracht wurde.

Nicht von Anfang an wird dem Kreuz solche Ehrung zuteil; denn es war ja ein Schandmal. Das früheste Erkennungszeichen der Christen war eher der Fisch als das Kreuz. Am Karfreitag steht das Kreuz da ohne jeden Festglanz; am Fest Kreuzerhöhung steht es da als strahlendes Siegeszeichen. Beides gehört zusammen. Das Verbindende ist Jesus Christus selbst, der am Kreuz erhöht zugleich Schmerzensmann und König ist. Unter den vielen Kirchen in Münster ist auch eine dem heiligen Kreuz geweiht.

Das Hochchor des Domes ist geprägt von einem großen Kreuz, auf dem Christus eher als König steht, als daß er hängt. Viele erinnern sich an den zerschundenen Leib des Gekreuzigten vom lsenheimer Altar. In der Heilig-Geist-Kirche in Emmerich am Niederrhein gibt es ein „Schrott-Kreuz“, das aus dem Abfall der Welt zusammengeschweißt ist. Dagegen ist das Vortragekreuz des Domkapitels aus Gold, Silber und edlen Steinen. Viele kennen das kostbare Kreuzreliquiar aus St. Martini, das als Kunstwerk des Monats im April dieses Jahres vorgestellt wurde.

Das Kreuz selbst ist schon Sinnbild der Einheit von Extremen. Diametral entgegengesetzte Punkte von oben und unten, von rechts und links werden miteinander verbunden. Im Gewebe der Schöpfung bildet das Kreuz wie beim Webstuhl gleichsam Schuß und Kette·und bewahrt sie vor dem Auseinanderfallen. Ferner besteht eine Beziehung zum Lebensbaum, zur Weltachse und zur Himmelsleiter.

Das Kreuz selbst symbolisiert die Vereinigung der Gegensätze, die Überwindung der dualen Weltsicht, die seit der Vertreibung aus dem Paradies das Schicksal der biblischen Menschen war. Die horizontale Linie des Kreuzes steht für das Weibliche, die Erde, die Materie, die vertikale deutet auf die schöpferische Kraft des Männlichen, den Himmel und den Geist hin. Die Gegensätze können auch gefaßt werden als Einheit von Zeit, als waagerechter Linie, und Ewigkeit als horizontale Linie.

All das schwingt mit, wenn der Christ das Kreuz als Zeichen seiner Erlösung preist und Werner Bergengruen (1892-1964) ihn daran erinnert: „Du Mensch nach Gott gebildet bist. Dein Leib ist Gleichnis: Kreuz und Christ. Gerammt im Grund der Hauptstamm steht, seitab der Schulter Querholz geht. Erkenn‘ das Kreuz, du hängst daran, Schmerzenskind und Schmerzensmann.“