12.5.2022

Das Nichts ist genauso geheimnisvoll wie das Sein

Die Erfahrung unseres Lebens ist auch von der Erfahrung des Nichts bestimmt. Es könnte sein, daß dieses Nichts trotz oder gerade wegen seiner Leere geheimnisvoll ist. Das Nichts kann selbst auf das Geheimnis Gottes verweisen.

Geheimnisvolles ist nichts Abwesendes, sondern nur etwas Verborgenes, was unsere Augen nicht wahrzunehmen vermögen.

Das Geheimnis Gottes sprengt alle menschlichen Begriffe und Vorstellungen. Gott ist und bleibt Geheimnis. Jeder Gott, der verstanden und begriffen werden kann, der etwas ist, ist ein von Menschen gemachter Gott, ein Götze.

Wir machen immer wieder die Erfahrung des Heiligen, weil es sich uns offenbart. Wissen darum können wir nicht. Die Erfahrung des Nichts läßt uns eine Gotteserfahrung ganz eigener Art machen; denn Gott ist ALLES und NICHTS.

Link zum Buch

 

Die Jüdin Mascha Kaléko (1907-1975) suchte danach, ihr Schicksal in Würde anzunehmen.

Gedicht: Gebet

Herr, unser kleines Leben – ein Inzwischen,
Durch das wir aus dem Nichts ins Nichts enteilen.
Und unsre Jahre: Spuren, die verwischen,
Und unser ganzes Sein: nur ein Einstweilen.
Was weißt du, Blinder, von der Stummen Leiden!
Steckt nicht ein König oft in Bettlerschuhen?
Wer sind wir denn, um richtend zu entscheiden?
Uns war bestimmt, zu glauben und zu tun.
Laß du uns wissen, ohne viel zu fragen.
Lehr uns in Demut schuldlos zu verzeihn.
Gib uns die Kraft, dies alles zu ertragen,
Und laß uns einsam, nicht verlassen sein.

Für Mascha Kaléko wurde eine spirituelle Praxis immer wichtiger, daher interessierte sie sich sehr für den Buddhismus und verfaßte manchmal sogar Gedichte mit buddhistischen Gedanken.

Mit dem Wind deines Atems

Nichts ist, sagt der Weise.
Du läßt es entstehen.
Es wird mit dem Wind
Deines Atems verwehen.
Unmerklich und leise.
Nichts ist.