21.1.2019

Das Urlicht ist die Sonne

Licht ist lautlos und doch so wirksam. Es ist stärker als alles Dun­kel. Dem Feuer ist es eigen, das zu verbrennen, was es entflammt, dem Licht ist es eigen, das zu erhellen, was es beleuchtet. Alles Lebendige be­darf des Lichtes. Kälte und Dunkel ver­ursachen Angst; Wärme und Licht sind lebensnotwendig. Da im Dunkeln böse Geister lauern, wirkt Licht als Schutz. Manche Menschen zünden bei Gewitter zum Beispiel eine am Fest Mariä Lichtmeß geweihte Opferkerze an.

Es gibt eine Analogie von Sonne und Gold, was am Nimbus und an auf Goldgrund gemalten Bildern sichtbar wird. Licht selbst ist unsichtbar, wir sehen nur das Erleuchtete. Die Strahlen der Sonne lassen die Welt der Dinge in ihrer Farbigkeit erscheinen.

Ein Prisma macht uns die Farben des Lichtes sichtbar. Der Lichtstrahl spaltet sich auf in das Spek­trum der Farben. Das Licht der Sonne zeigt sich uns im Som­mer in den Farben der Blüten, im Winter zieht es sich zu­rück und ist weißes, reines Licht. „Weiß ist ein großes Schwei­gen, aber voller Möglichkeiten wie das Nichts vor der Geburt.“ (Wassily Kandinsky 1866-1944)

 

Gott, der Unsichtbare, geht in die Brechung wie das Licht; er macht sich klein und so für uns erfahrbar. Unsere Aussagen über ihn sind nur wie ein­zelne Far­ben. „Jede göttliche Eingebung tritt aus Güte in buntgewirktem Licht in der Welt hervor.“ (Dionysius Areopagita, um das 1. Jhr. n.Chr.G.) „Die Farbe ist lebendig und sie allein macht die Dinge lebendig [...] Die Farben sind das sichtbare Fleisch der Ideen und Gottes.“ (Paul Cézanne 1839-1906)

 

Die Maus Frederick sammelt Farben während die anderen Mäuse Korn sammeln. Als im Winter alle Vorräte aufge­zehrt sind, erzählt Frederick von den Farben und lindert so das Hun­gergefühl.

 

Die Sonne ist Bild für Christus. Er ist das Licht der Welt (vgl. Joh 8,12), aber auch wir sind es (vgl. Mt,14). Als kleine Sonne begleitet uns das Licht der Kerze bei Grenzüber­gängen:

Die Osterkerze ist die eigentliche Taufkerze, sie brennt oft auch bei der Erstkommunion und bei der Firmung. Eine Kerze brennt ebenfalls beim Beichtgespräch. Weiterhin gibt es die Brautkerze, die Primizkerze und die Sterbekerze. Diese brennt am Sterbebett und am Sarg.

 

„Ich glaube, daß wir einen Funken jenes ewigen Lichtes in uns tragen, das im Grunde des Seins leuchten muß und welches unsere schwachen Sinne nur von ferne ahnen können. Diesen Funken in uns zur Flamme werden zu la­ssen und das Göttliche in uns zu verwirklichen, ist unsere höchste Pflicht.“ (Johann Wolfgang von Goethe – 1749-1832 – an Johann Peter Eckermann 1792-1854)

 

Matthias Grünewald (1470-1528), der Maler des Isenheimer Altares, betete: „Jesus, liebster Herr Jesus! Ich bitt, daß du mich annimmst zum Docht auf der Lampen, zu der du das Öl gibst. Geht mir nicht darum, ob mein Leib verdorrt wie Gras, aber um dein Bild in mir geht es! Zünd dein Licht an und laß mich sein wie ein heilig Feuer am Rande der finsteren Öde, damit die im Dunkeln wissen, wo du zu finden bist. Aus dir kommt, was gut in mir ist, aus mir das Schwache und Geringe. Erbarm dich meiner Herr!“

 

„Der Berg Sinai war ganz mit Rauch bedeckt, weil der Herr im Feuer auf ihn herabgekommen war“ (Ex 19,18), und Mose begegnete Jahwe im brennenden Dornbusch (vgl. Ex 3,2ff). Wir bringen die Sonne mit Christus in Zusam­men­hang. Davon zeugen zum Beispiel das Lied „Sonne der Gerechtigkeit“ (GL 481), der Ausspruch des Origenes (184-253) „Wer mir nahe ist, ist dem Feuer nahe!“ und der Satz aus dem Lukasevangelium „Feuer auf die Erde zu werfen bin ich gekommen, und wie wünschte ich, daß es schon brenne!“ (Lk 12,49)

 

Johannes, der Zeuge des Lichtes (vgl. Joh 1,7f), wird zur Sommersonnenwende, der Zeit des höchsten Sonnenstandes, geboren. Für die Zeit danach sagt er: „Er [der Messias] muß wachsen, ich aber muß kleiner werden.“ (Joh 3,30) In der Zeit der wieder kürzer werdenden Tage braucht es ein anderes Licht, um den Menschen zu leuchten. Dieses Licht weist letztlich auf Christus hin.

 

Welche Bedeutung messen wir der Sonne zu?