19.9.2024

Der eigene Tod — ein Tabu?

Tod, schleudere mich nicht in dein Feld, bevor ich guter Weizensame geworden bin! Gott, laß mich nicht vor dein Angesicht kommen, bevor ich heilig geworden bin! Von einem Augenblick zum andern werde ich von hundert Winden umhergetrieben; bald bin ich in der Höhe, bald in der Tiefe des Abgrunds? bald bin ich Herr meiner Seele, bald Sklave des Leibes, ihres Gefährten. bald bin ich ein König mit dem Diadem, bald ein elender Bettler. Ich ändere mich tausendmal, so wie ein Rad sich wendet.
Unkraut ist mit meinem Weizen vermischt und Spreu, und Dein guter Same ist mitten unter Dornen auf dem Acker Deines Knechtes! Niemand außer dir allein, o Gott, erzähle ich diese meine Not! Mein Verlangen zielt ja allein auf Dich und Deine große Barmherzigkeit! Du, dem Lebende und Tote in gleicher Weise unterstehen, laß mich einmal nicht in meinen Sünden sterben! Herr, verwandle erst meine Ähre in Brot, dann mag der Schnitter an mich herantreten, fülle erst meine Traube mit Wein, dann mag der Winzer sich nahen! Durch Deine vollkommene Gnade laß mich das Heil erlangen, um das ich Dich bitte. Amen.

(Isaak von Antiochien)